Pflanzenbeleuchtung – Luxus oder Notwendigkeit?

gewächshausbeleuchtung

Beleuchtung in einem Gewächshaus (Quelle https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:103_2934.JPG)

Zugegebenermaßen ist der Hochsommer nicht unbedingt die Zeit, in der man sich mit Zusatzbeleuchtung für Pflanzen beschäftigen muss. Doch wenn das Wetter weiter in den herbstlichen Ausmaßen herrscht, ist es vielleicht gar nicht mal so abstrus, das Thema aufzugreifen. Doch spätestens, wenn in drei Monaten die Überwinterung der Pflanzen vorbereitet wird, ist es nicht verkehrt, sich vorher bereits Gedanken um das Thema Beleuchtung gemacht zu haben.

Dazu erhielt ich neulich ein Testprodukt, das mir den Anstoß gab, das Thema Beleuchtung endlich in die Praxis umzusetzen und mir jetzt schon Gedanken um die Überwinterung zu machen: Eine LED-Pflanzenlampe, mit 24W. Als Gärtner, der bei Pflanzenbeleuchtung an sperrige 400W Natriumdampfboliden denkt, frage ich mich: LEDs zur Pflanzenbeleuchtung – kann das funktionieren?

Wozu überhaupt Zusatzbeleuchtung?

Pflanzenlampen helfen unseren Pflanzen, die dunkle Jahreszeit unter eher suboptimalen Bedingungen gesund zu überstehen. Ob Überwinterung oder Vorkultur: Lichtmangelerscheinungen kennt sicherlich jeder, wer ohne Zusatzbeleuchtung im Winter Pflanzen im Wohnraum kultiviert: Lange, helle Triebe, die plötzlich nur so aus den Pflanzen herausschießen.

Nicht nur unschön, sondern auch ungesund: Geilwuchs – ein Phänomen der warmen, lichtarmen Wohnzimmerüberwinterung.

Da vielerorts nicht unter optimalen Bedingungen überwintert werden kann (Was Ideal ist, hängt individuell von der Pflanze ab. Beispielsweise benötigen manche Kakteen konstant Temperaturen zwischen 8-10°C, andere Pflanzen, wie Citrusgewächse hingegen ~12-15° und viel Licht), kommen die Pflanzen nach dem Herbst ins raumwarme Klima, in dem sie kaum eine Möglichkeit haben, eine vernünftige Vegetationsruhe zu halten. Im schlimmsten Falle waren die Temperaturen draußen bereits kühler, als im Wohnraum und die Pflanzen machen genau das Gegenteil von dem, was man durch die Überwinterung eigentlich bezwecken möchte: sie treiben voll durch und schalten auf Frühling.

Stellt man nun eine Pflanze, die sich mitten im Austrieb befindet, in einen dunklen Raum, kostet dies der Pflanze wichtige Energie. Infolge der zu geringen Lichtintensität ist Photosynthese nur noch eingeschränkt möglich, da die Pflanze jedoch den Reiz zum Austrieb erhalten hat, muss sie dies kompensieren. Durch schnell wachsende Triebe, die sich zum spärlichen Licht schlängeln, versucht die Pflanze nun, jedes Lux zu erhaschen und ihre photoaktive Fläche zu vergrößern.

Hell ist nicht gleich hell

Auch wenn unsere Augen anderer Meinung sind; Aber Räume, die für uns Hell erscheinen, sind nicht hell! Mit einer Kamera kann man sehr leicht nachprüfen, wie sehr uns das Auge hierbei täuscht. Was für uns hell erscheint, ist für die Kamera viel zu dunkel und die Belichtungszeit wird angehoben. Selbst am Fenster herrschen zur Winterzeit kaum akzeptable Lichtverhältnisse.

Pflanzenbeleuchtung – zur Vorkultur ein Muss

Doch nicht nur zum Überwintern kommt eine Zusatzbeleuchtung infrage. Als simpelste Anwendungsmethode für Verwendung von Pflanzenlicht ist die Vorkultur von Jungpflanzen. Will man im Sommer sein Gemüse ernten, empfiehlt es sich, die Pflanzen bereits im Spätwinter im Haus vorzuziehen. Doch hier wäre auch wieder die Problematik „Winter – Haus“. Es ist einfach zu dunkel! Paprika, Tomaten und co., die zum Februar gesät werden, schießen in die Höhe und werden kraftlos zu Boden knicken, eh sie das erste echte Blattpaar ausgetrieben haben.

NDL, ESL, LSR, LED…

Methoden zur Beleuchtung gibt es viele. Aus dem professionellen Gartenbau kommen Hochdrucklampen, wie Natriumdampflampen (NDL), deren Energieaufnahme meist bei 400-600W liegt. Solche Lampen fressen nicht nur viel Strom, sie sind auch teuer in der Anschaffung und benötigen spezielle Vorschaltgeräte. Auch der Lampenkörper muss entsprechend konzipiert sein, um die Abwärme entsprechend abzugeben. Für den Hausgebrauch nicht nur überdimensioniert, sondern bei unsachgemäßer Anwendung auch brandgefährlich.

Für den Privatgebrauch unbedenklich und rentabler sind hingegen die gängigen Leuchtmittel, die mittlerweile auch als PAR-Varianten angeboten werden (PAR = photo active radiation).  Neben Leuchtstoffröhren (LSR) und Energiesparlampen (ESL) ist die LED auch im PAR-Sektor weiter auf dem Vormarsch – dies selbst im professionellen Gartenbau.

Der absolute Pluspunkt solcher Produkte ist ihre geringe Energieaufnahme, die auch den Dauerbetrieb erlaubt, ohne dass die Stromrechnung explodiert. Zusätzlich kann auf teure Vorschaltgeräte verzichtet werden. Ein weiterer Vorteil: Energiesparlampen und LED-Lampen mit gängigem E27-Sockel passen zudem in jede Wohnzimmerlampenfassung, wodurch sich eine simple Wohnzimmerlampe vom schwedischen Möbelkaufhaus prima als Pflanzenlampe nutzen lässt.

LED als Pflanzenbeleuchtung

Ich kann nicht verschweigen, dass ich bei LEDs grundsätzlich skeptisch werde. Die Entwicklung dieser hochinteressanten Halbleiter erscheint mir seit rund 5 Jahren zu rasant und komplex, als dass ich sie aufmerksam mitverfolge. Wenn ich an die ersten LEDs denke, die lediglich als Signallämpchen in HiFi-Anlagen taugten und im Vergleich dazu eine aktuelle ostasiatische Taschenlampe Photonenkanone halte, ist der einzige gemeinsame Nenner lediglich nur noch die Bezeichung LED – Light Emitting Diode.

Ähnlich verhält es sich bei LEDs, deren Zweck es ist, Pflanzen mit Licht zu versorgen. Dass hier keine Blinklämpchen zum Einsatz kommen, erklärt sich von selbst. In der Nähe von Köln hat ein Tomatenbaubetrieb vor einiger Zeit sogar kilometerweit in den Himmel gestrahlt und erhielt dadurch überregionale Aufmerksamkeit und Medienpräsenz – Wieso? Weil er seine Beleuchtung auf LED umgestallt hat.

Das Beispiel mit dem Tomatenbaubetrieb ist natürlich das Paradebeispiel für LED. Verfolgt man die Entwicklung auf Fachmessen, wie der IPM, sieht man auch hier seit einigen Jahren vermehrt Zuwachs auf diesem Sektor. Das Thema LED als Assimilations-/ PAR-Licht ist längst seinen Kinderschuhen erwachsen und eine ernstzunehmende Technik.

(Quelle Symbolbild: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:103_2934.JPG)

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Eigentlich wollte ich in diesem Beitrag noch eine Produktvorstellung einer entsprechenden LED-Lampe unterbringen. Aufgrund der Länge und des Inhaltes, werde ich diese Vorstellung allerdings in einem zweiten Beitrag posten. Zudem ist mir dieser Artikel zu schade, um ihn als „sponsored Post“ zu taggen! ;-)

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