Pelargonien (Gastbeitrag von Jan Siegel)

Wenn von Pelargonien die Rede ist, werden nicht wenige erst einmal verwundert fragen, was das denn ist. Nimmt man dann das veraltete (und nicht korrekte) Wort Geranien in den Mund, wird an die rote Standard Balkonkastenbepflanzung – mal stehend, mal hängend-, gedacht.

Verständlicherweise kommt die Frage auf, was denn an den meist als langweilig betrachteten Pelargonien interessant erscheint, dass sie gesammelt, kultiviert und oft sehr geliebt werden von ihren Fans.

Plötzlich findet man sich in einer ganz eigenen Welt wieder. Da wird von einer nicht vergleichbaren Blütenfülle gesprochen, von Duftpflanzen, sukkulenten Wildformen, winterwachsenden Arten, Geophyten, die sich in der Natur in die Erde zurückziehen, buntblättrigen Sorten, Miniaturen und Riesen… Pelargonien sind mehr als nur „rote Geranien“!

Pelargonium kommt aus dem Griechischen und bedeutet Storch (Pélargos). Gemeint ist hiermit der schnabelartig verlängerte Fruchtansatz der Pflanzen. Die zum größten Teil aus Südafrika stammenden Gewächse sind in Deutschland nicht
winterhart und müssen im Haus kühl überwintert werden. Früher war dies gängige Praxis, heutzutage macht sich kaum jemand, der sie nicht gezielt sammelt diese wirklich geringe Arbeit, da sie im Frühjahr zu Spottpreisen wieder erhältlich sind. Dies ist sehr schade, da durch ein solches Verhalten alte Sorten verloren gehen!

Wie bereits angemerkt, gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Vorzügen, die die Pflanzen besitzen. Insbesondere die Duftpelargonien haben auch noch als Hybride vom Wuchs her einen etwas wilderen Charakter beibehalten. Sie
mögen je nach Sorte nicht so blühfreudig sein wie die klassischen, auf ein Blütenfeuerwerk gezüchteten Pelargonien für Balkon und Terasse, jedoch macht ihr Duft einiges wieder wett. Hier lag der Fokus der Züchter nunmal nicht primär
auf den Blüten, sondern auf Aromen, wo man u. a. Zitrone, Muskatnuss, Minze und Orange, mal sehr würzig und herb, mal leicht fruchtig und lieblich entdecken kann. Durch die lange Kulturzeit (in Europa seit dem 16. Jahrhundert circa)
sind dort auch einige panaschierte Pflanzen entstanden, die sich ebenso sehr gut als Strukturpflanze oder Solitär machen.

Durch den etwas wilderen Charakter lassen sich die „Dufties“ übrigens gleich gut in Bauerngärten, rustikalen Gefäßen oder auch in Ampeln als Eyecatcher pflegen und als duftendes Highlight in die Terassenbepflanzung integrieren.

Am bekanntesten sind allerdings die sog. Pelargonium zonale (stehend) und peltatum (hängend) Hybriden. Die Menge und Vielfalt an stehenden und hängenden Pelargonien-Hybriden und Kultivaren ist auf den ersten  Blick nahezu unüberschaubar. Beschäftigt man sich allerdings ein wenig mit diesen Sorten stellt man fest, dass es dort einige Unterschiede in der Blütenform, der Größe und der Wuchsform gibt. Besonders beliebt bei Sammlern sind die so
genannten Minis oder Miniatur Pflanzen, die oft nur eine Größe von 20-30 cm erreichen. Im Gegensatz dazu gibt es viele alte Sorten, die sich hervorragend als Hochstamm oder große Schaupflanze innerhalb weniger Jahre selber ziehen
lassen.

Es gibt einige sehr schöne buntblättrige Pelargonien, wo die Blätter in bis zu 3 verschiedenen Farben leuchten. Diese Hybriden sind wahre Schmuckstücke, auch ohne Blüten. Bei den Blüten der Hybriden dominieren übrigens rot, weiß, violett- und Orangetöne, ein „richtiges“ Gelb ist leider noch nicht gezüchtet worden obwohl es gelbblühende Wildarten gibt. Mit der Zeit wird es hier aber auch eine gelbe Sorte geben. Es gibt genug Bestrebungen in diese
Richtung, die sich zurzeit aber bei den zugelassenen Sorten noch auf cremegelb und weisslich-gelb beschränken (Die Gruppe der zonale x articulatum Hybriden, sog. Zonartics, hat mittlerweile einige gelbe Sorten hervorgebracht, die
jedoch noch zu den seltenen Kostbarkeiten unter Sammlern zählen).

Da fast alle Pelargonien gut schnittverträglich und wüchsig sind, kann man sie problemlos verjüngen. Pelargonien lassen sich dann nach dem verjüngen auch leicht über Stecklinge vermehren. Man benötigt dafür vor allem ein sauberes und – vor allen Dingen – scharfes Messer. Sauber heißt: Die Klinge sollte nach jeder Pflanze mit Alkohol oder einer Flamme desinfiziert werden um ggf. gefährliche Bakterien wie das gefürchtete Xanthomonas nicht mit zu vermehren.
Dieses Bakterium taucht vor allem bei älteren Pflanzen auf und kann sich unbemerkt über die Schnittstellen vermehren. Dieses Bakterium hat schon ganze Zuchtbetriebe ruiniert! Ein „sauberer“ Schnitt mit einem scharfen Messer beschleunigt die „Heilung“ der Schnittstellen und verhindert das Eindringen von Krankheitskeimen. Ein Steckling sollte mind. 2 Nodien („Augen“) haben. Die unterer Nodie ist für das Wurzelwachstum zuständig, die obere Nodie bildet die Triebspitze.

Abgesteckt werden können die Stecklinge in sog. Jiffytöpfen oder in mit Vermehrungs-(Aussaat-)erde gefüllte kleine Töpfe. Das Substrat sollte nicht zu naß gehalten werden, damit die Wurzeln nach dem Wasser „suchen“ und sich dementsprechend schnell strecken. Im Sommer sind die Stecklinge innerhalb einiger Wochen bewurzelt, im Winter dauert es 2-3 Monate

Zur Pflege:
Verwelkte Blütenstiele sollten herausgebrochen werden, dies wird deutlich besser als ein Schnitt vertragen und fördert die Ausbildung weiterer Blüten. Pelargonien sollten immer einen sonnigen Platz bekommen, da sie sog. Lichtsummenblüher sind. Im lichten Schatten lässt die Blühwilligkeit deutlich nach und viele Sorten wachsen dort nicht mehr schön kompakt. Gewässert wird, wenn die Oberfläche etwas abgetrocknet ist.

Beim Giesswasser muss man glücklicherweise nicht auf den Härtegrad achten – Pelargonien sind kalkliebend. Das Substrat sollte nährstoffreich und durchlässig sein, da die Pflanzen Starkzehrer sind, aber Staunässe überhaupt nicht gut vertragen.

Gefüllt blühende, rosenknospige und nelkenblütige Hybriden werden besser nicht dem Regen ausgesetzt, die Blütenköpfe werden dadurch sehr unansehnlich und können verpilzen.

Übrigens, hier zum Schluß noch ein paar Hinweise zum Pelargonien überwintern:

Sie können generell bis zum ersten Nachtfrost im Herbst im Freien stehen bleiben. Vor dem Einräumen sollte man die Pflanzen um 1-2/3 zurückschneiden, durchputzen und nach Schädlingen absuchen. Wenn die Möglichkeit besteht,
ist die Überwinterung in einem frostfreiem Gewächshaus oder Wintergarten ideal. Aber – wenn es nicht anders möglich ist – können die Pflanzen auch im Keller überwintert werden.

Generell gilt, je heller und kühler desto besser! Möglich ist das überwintern z.B. in den ursprünglichen Pflanzgefäßen. Aber es gibt auch die Möglichkeit sie aus der Erde zu nehmen und in Zeitungspapier einzuschlagen. Die Pflanzen können bei minimalem Laub recht trocken gehalten werden. Trotzdem sollte man regelmäßig nach ihnen gucken und ggf. wässern. Auch schadhafte Blätter sollten entfernt werden, bevor dort Faulstellen entstehen und Krankheitskeime eindringen können. Die Überwinterung in einem hellen aber kühlen Raum (Gästzezimmer) ist natürlich auch möglich. Die Temperaturen sollten aber nicht über +15° gehen. Gegossen wird nach Bedarf. Im Frühjahr (ab Mörz) können die Pflanzen
dann reaktiviert werden. Frische Erde mit Dünger, einem Bodenaktivator oder der regelmäßige Einsatz von Pflanzenstärkungsmittel kann wahre Wunder bewirken! Ein leichter Rückschnitt im Frühjahr ist für die Pflanzen ein Startschuß zum
Neuaustrieb.

Alle Bilder sind in der Pelargonien Sammlung Maria Laach entstanden.

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