worauf beim Pflanzenkauf im Internet zu achten ist

Das Internet hat sich mittlerweile zu einer beliebten Quelle für Pflanzen jeglicher Art etabliert. Ob in spezialisierten Onlineshops, via Auktionsseiten oder per Privat in Foren und sozialen Netzwerken. Wer eine Rarität sucht, braucht nicht mehr auf die nächste Pflanzenbörse warten, sondern fährt seine Fühler bequem im World Wide Web aus.

kleinere Pflanzen von Privatverkäufern werden oftmals als Warensendung verschickt.

Kakteen werden von Privatverkäufern meist als Warensendung in kleinen Päckchen verschickt.

Szenario 1: der klassische Onlineshop

Hinter bekannten Onlineshops für Pflanzenraritäten stehen meist renommierte Gartenbaubetriebe, die sich vielfach bereits seit Generationen der Zucht von entsprechenden Pflanzen verschrieben haben. Besonders im Bereich der Kakteen- und Sukkulentenwelt gibt es einige bedeutende Gärtnereien, die mit ihrem Namen für Qualität und hochwertige Produktauswahl stehen. In der Regel kann man diese Betriebe auch vor Ort besuchen und nach Herzenslust stöbern. Offenheit und direkter Kontakt zum Kunden sind ein Garant für Seriösität. Viele dieser Fachgärtnereien sind zudem regelmäßig auf Pflanzen- und Raritätenbörsen zu finden.

Wer seine Pflanzen online bei einem solchen Betrieb ordert kann eigentlich nicht viel verkehrt machen und muss keine Angst haben, mit minderwertiger Ware abgespeist oder übers Ohr gehauen zu werden. Doch hat Qualität auch ihren Preis und es kommen, wie bei Versandbestellungen üblich, Fracht- und Verpackungskosten hinzu. Allerdings muss man berücksichtigen, dass Pflanzen eine sehr empfindliche Fracht sind und dementsprechend gut verpackt sein müssen. Zudem arbeiten einige Onlineshops grundsätzlich mit einem Mindestbestellwert und/oder haben recht hohe Versandpauschalen, die Einzelbestellungen meist unrentabel machen und sich erst bei der Bestellung mehrerer Pflanzen rentieren.

Szenario 2: Pflanzen via Ebay bestellen

Eine interessante Alternative findet man in kleineren, häufig privaten Anbietern, die lediglich via Auktionsplattformen wie Ebay agieren. Doch wie genau findet man exakt die Pflanze, die man wirklich sucht und wie steht es um die Qualität und Seriösität solcher Angebote?

Aufgrund immer wiederkehrender negativer Schlagzeilen zu Abzockmaschen von unseriösen Anbietern auf Internetauktionsplattformen, betrachten viele das Thema „Ebay“ verständlicherweise recht skeptisch. Doch hier zu pauschalisieren und grundsätzlich davon abzuraten ist der völlig falsche Weg. Sicher gibt es schwarze Schafe, aber die eigenen Erfahrungen zeigen, dass die überwiegende Zahl an Pflanzenraritäten von Enthusiasten verkauft werden, die a) einem selbst gar nicht so unähnlich zu sein scheinen und großen Wert auf hochwertige Pflanzen legen und b) anständige Ebayuser sind.

Aber Achtung: Um sich selbst allerdings nicht in Konflikte mit Artenschutzgesetzen und Zoll zu bringen, sollte man zur eigenen Sicherheit keine seltenen Pflanzen bei ausländischen Händlern bestellen! Zwar gibt es Ausnahmen und Regelungen, aber die sind zu komplex, um sie hier zu erläutern.

Betrachtet man Ebay mit genügend Weitsicht und Verstand, kann man hier durchaus sehr erfolgreiche Fänge ergattern.

Pflanzenraritäten finden

Bevor man überhaupt mit dem Stöbern beginnen kann, muss man sich ersteinmal mit der Artikelsuche vertraut machen. Dazu gibt man einen prägnanten Suchbegriff in die weiße Suchleiste ein und wird auch meist sofort mit einer Vielzahl an Ergebnissen bedient, von denen oftmals geschätzte 80% – je nach Suchbegriff – völlig themenfremd sind. Bei Suchen nach Pflanzen können dies überteuerte Samen (dazu später mehr), Kunststoffpflanzen oder Kunstdrucke zu Pflanzen sein.

Dieser „Beifang“ wird herausgefiltert, in dem man seine Suche auf die Kategorie „Pflanzen, Bäume & Sträucher“ beschränkt. Zudem hat man die Möglichkeit, die Suchergebnisse nach verschiedenen Faktoren sortieren zu lassen. Wer auf Schnäpchenjagd ist, sollte unbedingt mit den Optionen „Bald endende Angebtote zuerst“ und „Preis inkl. Versand: niedrigste zuerst“ experimentieren. Mit etwas Feintuning lassen sich so Raritäten finden, die man in einem unsortieren Suchergebnis nie gefunden hätte.

Besonders außerhalb der Stoßzeiten kann man mit den Optionen „Bald endende Angebote zuerst“ und „Auktionen“ gute Preise erzielen.

Grundsätzlich bietet Ebay zwei Möglichkeiten, um ein Produkt zu erwerben. Neben der klassischen Auktion, deren endgültiger Preis meist von den Emotionen der Mitbieter abhängt, findet man Angebote, die zum Pauschalpreis zum „sofort kaufen“ eingestellt sind. Bevor man sein Gebot setzt oder den „sofort kaufen“-Button clickt, muss man sich in jedem Falle mit dem Auktionstext vertraut machen. Hier liegen die Knackpunkte meist im Detail. Zudem sollte man unbekannte Anbieter vorher genauestens unter die Lupe nehmen.

Der Teufel liegt im Detail – Die Crux mit den Auktionsbildern.

1. Symbolbilder

Jeder Kaufprozess auf Ebay startet in der Regel in der Liste mit den Suchergebnissen. Meist sind es frohlockende Bilder von prächtigen Pflanzen mit oppulenten Blüten, die in dieser Liste auftauchen. Hier sollte man sich keinesfalls von schillernden Auktionsbildern täuschen lassen und voreilig mitbieten. Besonders bei blühenden Kakteen ist dies eine geläufige Methode um die entsprechenden Auktionen ansprechender zu gestalten. Schaut man sich diese dann allerdings genauer an, findet sich oftmals im Auktionstext der Hinweis, dass es sich um die unverkäufliche Mutterpflanze handele und lediglich ein Steckling oder Ableger dieser verkauft wird. Manchmal kommt gar die ernüchternde Mitteilung, dass lediglich Samen angeboten werden.

Die Sache mit den Symbolbildern ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits könnte man sagen: „Seriöse Auktionen verstecken sich nicht hinter Symbolbilder!“ Doch Hand aufs Herz: Wer achtet beim Stöbern schon auf nichtssagende Bilder von Samen oder Stecklingen, sofern man nicht explizit nach diesen Sucht?

2. Beispielbilder

Neben Symbolbildern finden sich häufig Beispielbilder. Hat ein Verkäufer beispielsweise eine komplette Charge einer Art im Angebot, bietet die Auktion meist lediglich ein Beispielbild, das alle angebotenen Pflanzen repräsentiert. Bei eher einfachen Pflanzen, bei denen der Habitus zweitrangig ist, spielt dies natürlich keine große Rolle. Doch handelt es sich beispielsweise um Bonsai oder andere Pflanzen, die sehr individuell wachsen, bietet man hier zwangsläufig auf die sprichwörtliche Katze im Sack.

Hier muss jeder für sich selbst entscheiden, wie man in solchen Fällen handelt. Ich persönlich halte von solchen Auktionen Abstand und suche bevorzugt nach solchen in denen explizit die Pflanze angeboten wird, die auf dem Bild zu sehen ist.

3. WYSIWYG – What you see is what you get

Man muss sich nichts vormachen, niemand gibt sich freiwillig mit Symbol- und Beispielfotos zufrieden. Sucht man eine Pflanze, erwartet man natürlich Bilder von der Pflanze, die man tatsächlich kauft. Besonders wenn es sich um Raritäten handelt, deren Preis und Seltenheitswert entsprechend hoch sind, will man sich natürlich vor dem Kauf ein ausführliches Bild vom Objekt der Begierde verschaffen. Hier gilt: Je mehr Bilder, desto besser. Je Detailreicher, desto besser und Bilder am besten mit Maßstab. Pluspunkte gibt es für Verkäufer, die sogar mögliche Makel und Verletzungen im Detail ablichten. Hier weiß man, dass man es allem Anschein nach mit einer ehrlichen Seele zu tun hat.

WYSIWYG, ein Begriff aus dem Webdesign, heisst übersetzt „was du siehst, bekommst du“. Besonders bei Pflanzenraritäten sollte dies das Credo der Auktionen sein!

Das Kleingedruckte – Was der Auktionstext über den Anbieter und sein Angebot verrät

Der Mensch ist manipulierbar und reagiert bewiesenermaßen eher auf ansprechende Bilder, als auf Text. Doch sagt auch ein Auktionstext viel über den Anbieter und das angebotene Produkt aus und sollte in jedem Falle gründlichst gelesen werden.

Besonders bei Pflanzenraritäten kommt es auf Details an, die manch Außenstehender als banal und unwichtig betrachten würde. Deshalb gilt besonders zu achten auf:

  • genaue botanische Bezeichnung einschließlich Sorte und Synonyme
  • Größe/Ausmaße der Pflanze (sofern nicht auf Bild zu erkennen)
  • Alter der Pflanze
  • Wurde die Pflanze gekauft (wenn ja, wann und wo?) oder selbst gezogen?
  • Besonders bei Kakteen: ist die Pflanze gepfropft oder wurzelecht?
  • Wird sie mit Topf und Substrat oder ausgetopft und wurzelnackt verschickt?
  • Bei empfindlichen Pflanzen: wird spezielle Verpackung/spezielles Füllmaterial zum Versand verwendet?
  • sind Mängel an der Pflanze vorhanden, wenn ja welche? (z.B. Verkorkungen bei Kakteen)

Solche Details mögen zwar kleinkariert erscheinen, doch empfiehlt es sich, zwischen den Zeilen zu lesen. Wer eine Pflanze sucht, wird natürlich wissen, wie der botanische Name lautet. Allerdings sagt die Genauigkeit der Angaben vieles über den Anbieter aus. Je mehr Details vorhanden sind, desto sicherer kann man sein, dass man es hier mit einem Pflanzenenthusiasten zu tun hat, dem seine Pflanzen viel bedeuten, ihnen höchstwahrscheinlich gute Pflege zukommen lässt und folglich keinen Ausschuss verkauft. Oftmals findet man auf diesem Wege Pflanzen aus Sammlungsauflösungen zu unschlagbaren Preisen.

Aber Achtung: Bei Auktionen sollte man sich nicht von Emotionen leiten lassen, sondern ein Limit setzen, welches man nicht überschreitet. Kommen Emotionen ins Spiel, beginnt man zu zocken, wodurch der Preis in unangemessene Höhen getrieben wird!

Neben Details zur angebotenen Pflanze, enthält der Auktionstext zudem wichtige Informationen zum Versand, zu den Zahlungsmethoden und zu guter letzt: den Preis!

Hier gilt:

  • ist der Preis angemessen?
  • ist die Versandgebühr angemessen?
  • lassen sich mehrere Bestellungen zusammenfassen, ergo Versandkosten sparen?
  • welche Zahlungsarten werden akzeptiert?

Getreu dem Motto „man kann es ja mal versuchen„, findet man man recht häufig Auktionen oder Sofortkaufangebote, die zu exorbitant hohen Preisen eingesetzt wurden. Hier dem Händler allerdings pauschal Abzocke und unseriöses Verhalten zu unterstellen, ist aber sicher der falsche Weg, da man hier differenzieren sollte. Schaut man genau hin, stammen solche Angebote oftmals von Privatpersonen, die a) sich gar nicht bewusst sind, was sie verkaufen und b) eventuell einfach Grenzen ausloten wollen und auf einen Unwissenden hoffen, der den überteuerten Artikel kauft.

Negativbeispiele, die zeigen, wie es nicht laufen sollte:

Beispiel 1: ein privater Anbieter bietet nicht weiter deklarierte „Baby-Kakteen“ für einen Startpreis von 88,88Eur an. Neben der utopischen Preisgestaltung geht er mit keinem Wort auf Gattung, Art und Sorte der angebotenen Kakteen ein. Zudem ist auf dem Auktionsbild zu erkennen, dass die Pflanzen offensichtlich in falschem Substrat stehen.

Beispiel 2: ein gewerblicher Anbieter verkauft zwei Mimosen (Mimose pudica), 10cm hoch, für 15,95Eur (Preis im Einzelhandel: ca. 2Eur pro Exemplar). Ganz abgesehen von der fragwürdigen Preisgebung, werden die Pflanzen im Auktionstext mehrfach als Palmen bezeichnet. Jeglicher botanische Bezug fehlt völlig.

Hier finde ich, liegt der Unterschied im rechtlichen Status der beiden Anbieter. Beide Angebote sind auf dem ersten Blick absolut dreist und unverschämt, keine Frage. Doch kann man dem privaten Anbieter keine böse Absicht unterstellen, da er als Laie wahrscheinlich keine Relation zu den Preisen solcher Pflanzen besitzt, geschweige denn ihren Namen kennt. Der gewerbliche Anbieter hingegen erhebt durch seinen Status den Anspruch auf gewisse Professionalität, wodurch man ihm durchaus unterstellen könnte, dass er sich seiner Preisgestaltung bewusst ist und absichtlich falsche Begriffe verwendet, die einen Unwissenden völlig in die Irre leiten.

Wer allerdings genau weiß was er sucht, wird solche Angebote jedoch mit einem Schmunzeln ignorieren können und an anderer Stelle fündig werden.

Szenario 3: Pflanzen in Foren finden

Als Geheimtipp gelten Foren, denn auch in Pflanzenforen hat man die Möglichkeit, seine Pflanzensammlung durch Neuzugänge zu erweitern. Sei es durch Tausch, Verkauf oder lediglich durch eine Aufwandsentschädigung (z.B. Erstattung der Versandgebühr). Es ist ein ungeschriebenes Gesetz: irgendwer möchte sich immer von irgendwelchen Pflanzen trennen. Das Angebot ist oftmals immens, aber meist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Einige Forenmitglieder stellen von sich aus Pflanzen ein, die sie verkaufen möchten, andere sind da eher passiv aber können durchaus aktiv werden, wenn man eine explizite Suchanfrage formuliert und zu erkennen gibt, was genau man sucht.

Neben konventionellen Pflanzenforen gibt es auch die Möglichkeit in sozialen Netzwerken zu suchen. Oftmals existieren hier sogar eigens Gruppen, die sich ausschließlich dem Tausch von Pflanzen verschrieben haben. Es sind Namen wie „Pflanzenflohmarkt“, „Pflanzentauschbörse“, „Pflanzen An- und Verkauf“, der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Der private Tauschhandel wie anno dazumal erlebt seine Renaissance im Web 2.0.

Tauschhandel, Privatverkauft – Was einfach klingt, ist auch einfach. Doch basiert diese Art des Handels rein auf dem Vertrauen zu meist völlig fremden Leuten. Die meisten Foren sind zwar gesittet und gut moderiert, doch gibt es überall leider das eine schwarze Schaf, das unabsichtlich oder beabsichtigt das Vertrauen der Anbieter überspannt und dabei den ein oder anderen Verkaufs- und Tauschwilligen bereits übers Ohr haute.

Als Käufer, besonders als Neuling, ist es daher eine Sache des guten Anstandes, den Preis per Vorkasse zu entrichten, bzw. seine Tauschpflanzen zuerst zu verschicken. Die Wahrscheinlichkeit als Käufer betrogen zu werden ist eher gering, da es meist etablierte User sind, die diesen Handel betreiben. Durch die Kommunikation innerhalb des Forums kann man natürlich jegliche Details mit dem Verkäufer absprechen und zudem neue Kontakte zu Gleichgesinnten knüpfen, wodurch sich die Vertrauensbasis für weitere Käufe natürlich stärkt.

Fazit

Der Kauf von Pflanzenraritäten im Internet ist mittlerweile eine unkomplizierte Angelegenheit und vergleichbar mit normalem Onlineshopping. Wenn man weiß was man sucht und einige Grundregeln beachtet, wird man sein Ziel schnell erreichen und muss sich nicht von unseriösen Anbietern lumpen lassen.

Ob im spezialisierten Onlineshop, von Pflanzenenthusiasten via Ebay oder in Foren. Wer seltene Exemplare verkauft oder abzugeben hat, ist sich dem Wert und der Fragilität der Pflanzen sehr bewusst und verpackt gewissenhaft, so dass man als Käufer gute und intakte Ware erhält. Schließlich steht auch meist in Ruf auf dem Spiel, den man als Anbieter wahren möchte.

Was beim Versandhandel allerdings nie auszuschließen ist, sind Schäden durch Dritte, die beispielsweise während der Lieferung entstehen. Erwartet man eine Lieferung eines gewerblichen Versenders, sind solche Schäden meist durch die Garantie gedeckt und man kann von seinem Recht auf Wandlung oder Umtausch gebrauch machen, was bei Privatanbietern meist ausgeschlossen ist. Dennoch ist es möglich, dass manch einer aus Kulanz dem Geschädigten durchaus entgegenkommt.

Bestehen Fragen und Zweifel zum Versand oder Produkt, gilt auch hier: Nachfragen kostet nichts und kann vor Überraschungen schützen.

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