Bambusrhizome und sonstige Erdmonster

Im Zuge der momentanen Rasenrundumerneuerung, stand heute wieder ein Rasenschnitt an. Eigentlich wollte ich schon längst die Nachsaat aufgebracht haben, allerdings ist von der belüfteten und geöffneten Grasnarbe nicht mehr viel zu erkennen. Sonne und Regen haben den Boden wieder zu einem steinharten Gebilde werden lassen, so dass ein zweites Vertikutieren vor der Aussaat sicher unumgänglich ist. Eigentlich sollte dies heute geschehen, aber übers Mähen kam ich heute nicht hinaus. Der Bambus hat mir einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. Dadurch, dass wir vor 5 Jahren nicht an die – wie ich jetzt weiß, dringend nötige – Rhizomsperre gedacht haben, wucherten die Rhizome des Bambus unterirdisch fröhlich umher. Auch vorm Rasen machten sie nicht halt. Was dazu führte, dass mich heute morgen viele kleine, dunkelrote Bambussprossen auf der Wiese überraschten. Im Grunde war meine Laune beim puren Anblick dieser wuchernden Pest schon im Keller. Bambus – so schön er in gezähmter Form auch ist – kann einem den letzten Nerv rauben. Das Entfernen ist unumgänglich. Aber so schlimm wirds schon nicht sein, dachte ich mir. Wurzel rausziehen, fertig. Denkste. Je mehr ich suchte, desto mehr Sprossen fand ich im Rasen. Nach der 10. gezählten Sprosse spielte ich mit dem Gedanken, die chemische Keule aus dem Keller zu holen. Irgendendein effektives Unkrautvernichtungsmittel auf Glyphosatbasis. Mir war zu dem Zeitpunkt wirklich jedes Mittel recht, da mir langsam das Ausmaß und der Aufwand der Beseitigung bewusst wurden. Allerdings war mir das Risiko, dass die „Mutterpflanze“ durch diese Behandlung ebenfalls Schaden nimmt, dann doch zu hoch. Schließlich ist Bambus – so sehr er im Wachstumsverhalten jedem noch so fiesen Unkraut ähnelt – ein edles und teures Gewächs. Ergo: Rhizome per Hand ausgegraben und den ohnehin schon demolierten Rasen zu einer Mondlandschaft verwandelt..

Was da zum Vorschein kam, entpuppte sich als ein weit verzweigtes Geflecht von insgesamt ca. 5m Länge, das über geschätzte 3m² fröhlich neue Sprossen durch den Rasen gen Oberfläche schickte. Anfangs war mein Plan, die Rhizome zu entfernen und die Löcher im Rasen mit den vorher abgeschabten Rasenstücken zu flicken – selbstgestochener Rollrasen im Kleinformat quasi. In der Theorie war diese Idee durchaus gut, allerdings waren die Rasenstücke so dermaßen mit Rhizomen und Wurzeln der Rhizome durchzogen, dass diese Quasi Sondermüll waren.

Jegliche Flickversuche mit diesen Rasenstücken hätten noch mehr Bambusssprossen zur Folge gehabt. Also hieß die Devise: jeden noch so kleinen Rasenfetzen entwurzeln. Im Endeffekt kamen dabei Fitzel heraus, die sich garnicht mehr lohnten, wieder einzusetzen. Ich stagnierte. Der Bambus hat gewonnen, das Loch im Rasen würde sich heute nicht mehr mit Flicken schließen lassen. Was nun kam, war nicht eingeplant und schmiss mich in Sachen erneutes Vertikutieren wieder arg nach hinten: Offene Löcher im Rasen mit Muttererde aufgefüllt und Rasensamen ausgesät.

Komplette Neuaussaat an betroffenen Stellen. Eh da wieder Grün wächst, ist zwar Hochsommer.. Aber was solls, eine andere Möglichkeit blieb mir nicht. Das Vertikutieren der restlichen Rasenfläche ist nun erstmal auf unbestimmte Zeit verschoben. Ebenso die darauf folgende Nachsaat zwecks Auffüllung lichter Stellen. Immerhin ist heute in aller Spontanität wenigstens ein kleiner „Weg“ zum Gartenhaus entstanden – zumindest in der Theorie. Dazu mehr, sobald er seinen festen Platz im Boden gefunden hat. Was ich mit all den Rhizomen nun anstellen werde, weiß ich noch nicht. Zum wegwerfen sind sie definitiv zu schade, schließlich wachsen aus diesen Wurzeln binnen kürzester Zeit prächtige, 2-4m hohe Bambustriebe – sofern man sie denn wieder rechtzeitig einpflanzt. Ohne Rhizomsperre werde ich definitiv nichts mehr in die Erde setzen. Abgesehn davon, mangelt es auch grad an Platz, um einen weiteren Bambushain zu halten.. Hat jemand Interesse? Gegen entsprechender Versandgebühr gibts das Zeug gratis :D

Nachtrag (17.04.11): Durch Zufall bin ich im Netz auf einen interessanten Beitrag zum Thema Bambuswucherung gestoßen. „Ohne Wurzelsperre tauchen auf einmal Bambushalme an Orten auf, wo sie nicht hingehören, die u.U. drei bis vier Meter von der Originalpflanze entfernt stehen.“ – hachja.. Angesichts meiner aktuellen Problematik musste ich doch ein wenig schmunzeln. Der Wucherung nach zu Urteilen, scheint es sich bei meinem wohl übrigens um den fiesen Phyllostachys zu handeln.

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Eine Antwort zu “Bambusrhizome und sonstige Erdmonster

  1. Pingback: Projekt: Bambusrhizombeseitigung und Instandsetzung des Wasserspiels (Tag 1) « Bens Garten- und Pflanzenblog // Vegetation daheim·

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