Langzeittest: Superthrive – Wundermittel oder Quacksalberei?

Superthrive ist ein Begriff, der seit Jahren hin und wieder unter Pflanzenkennern auftaucht und oftmals die Gemüter spaltet. Dabei handelt es sich um eine Art „Nahrungsergänzungsmittel“ für Pflanzen, dem große Wirkungen nachgesagt werden. Da das Mittel allerdings im europäischen Raum keine Zulassung hat, ist es im Einzelhandel nicht zu bekommen. Im Internet gibt es jedoch eine Vielzahl an Händlern, bei denen man das Mittel problemlos beziehen kann.

Die fehlende Zulassung, der exorbitant hohe Preis und die teils abstrus erscheinenden Ergebnisse, die diesem Mittel nachgesagt werden, glorifizieren es in manchen Foren derweil zu einer Art Mythos herauf. Es ist ein umstrittenes Präparat, dessen genaue Zusammensetzung nicht bekannt ist. Dabei ist es allerdings kein Dünger, sondern ein Hormon- und Vitamincocktail, der das Zellwachstum der Pflanze beschleunigen soll. Zu den wenigen bekannten Grundstoffen zählt das Phytohormon NAA, ein Auxin, welches das Wurzelwachstum fördert und somit auch in bekannten Bewurzelungsmitteln zu finden ist, sowie Vitamin B1 – und Seetang.

superthrive1

Die Liste der angepriesenen Wirkungen von Superthrive ist lang und klingt auf den ersten Blick teilweise äußerst phantasievoll:

  • Verdopplung der Wachstumsgeschwindigkeit,
  • Steigerung der Anzahl der Knospen,
  • frühere Blüte,
  • höherer Ertrag,
  • dichteres Laub,
  • Wiederbelebung überdüngter, kranker und totgepflegter Pflanzen u.a..

Interessanterweise kommt hinzu, dass dieses Mittel extremst verdünnt bereits Wirkung zeigen soll. Teilweise ist von wenigen Tropfen pro 200l Regenfass die Rede. Eine geläufige Empfehlung spricht allerdings von 5 Tropfen auf 1l Wasser – was ein deutlich weniger abstrakt wirkender Wert ist. Jedoch gibt es unterschiedliche Dosierungen für unterschiedliche Anwendungen, so dass man keine einheitliche Dosierung festlegen kann.

Auch wenn Mittel mit solch vielversprechenden Wirkungen oftmals als Quacksalberei abgestempelt, oder in die Esoterikecke gedrängt werden, attestieren viele Tests und Erfahrungsberichte Superthrive eine spürbare Wirkung. Besonders bei Palmen soll sich das starke Wurzelwachstum auf ein generell besseres Wohlbefinden der Pflanzen auswirken, wodurch diese sichtbar vitaler erscheinen. Ähnliche Berichte findet man im Internet zu etlichen anderen Pflanzen.

Was allerdings – trotz der vielen positiven Stimmen – abschreckend ist, ist der extrem hoch angesetzte Preis. Während man 1l Dünger schon für wenige Euro bekommt, bezahlt man für 1l Superthrive fast 100 Euro. Glücklicherweise wird das Produkt auch in kleineren Flaschen zu 30ml, 60ml und 120ml vertrieben, die bei Preisen zwischen 10 und 20 Eur zwar immer noch sehr teuer sind, aber einen vertretbaren Kompromiss darstellen. Zudem ist das Mittel extrem hoch konzentriert, so dass man auch mit kleineren Mengen bereits Ergebnisse erzielen sollte.

Superthrive im Selbstversuch – Gedanken und Vorbereitungen

Superthrive polarisiert in vielerlei Hinsicht. Mich selbst haben die vielseitigen und unabhängigen Erfahrungsberichte in Pflanzenforen neugierig gemacht und mir den Anreiz gegeben, mir ein eigenes Bild von diesem Präparat zu verschaffen. Bei Amazon bestellte ich mir nun eine der kleineren Flaschengrößen und werde püntklich zum 1. Februar mit dem Experiment Superthrive starten.

Probanden habe ich viele zur Verfügung. Ich werde mit Pflanzen beginnen, deren möglicher Verlust zu verschmerzen wäre. Dazu eignen sich Aussaatüberschuss und kränkelnde Pflanzen sicher am Besten. Natürlich kommen momentan nur Exemplare in Frage, die sich nicht in Winterruhe befinden. Da ich recht viele Pflanzen durchkultiviere und sie durch die Jahreszeit und den Lichtmangel teils erheblich gestresst und geschwächt sind, sind dies optimale Bedingungen, um die Effektivität von Superthrive zu testen.

Konkret habe ich vor, Superthrive vorerst zu testen an:

  1. Citrus × sinensis (Orange)
  2. Ficus carica (Feige)
  3. Passiflora edulis (Maracuja)
  4. Physalis peruviana (Physalis)
  5. Actinidia sinensis (Kiwi)

Nächste Woche beginnt dann die zweite Versuchsreihe mit folgenden Probanden:

  1. Capsicum annuum (Chili, Jalapeno) *
  2. Adenium Obesum (Wüstenrose)
  3. Passiflora ligularis (Grenadilla)
  4. Passiflora caerulea (blaue Passionsblume)
  5. Chlorophytum comosum (Grünlilie)

Sollten die Pflanzen zum Monatsende noch leben (und hoffentlich positive Veränderungen gezeigt haben), werde ich zum 1. März weitere Probanden, womöglich ganze Aussaatchargen, in den Test einbinden. Zu allen Testpflanzen ohne *-Markierung existiert eine Referenzgruppe/Referenzpflanze, die unter gleichen Bedingungen ohne Superthrive kultiviert wird.

Das Ganze ist natürlich nur ein Selbstversuch ohne wissenschaftliche Grundlage, von daher werde ich den Testlauf vorerst auf wenige (obendrein verzichtbare) Exemplare pro Gruppe beschränken und auch die Referenzgruppe absichtlich klein halten. Je mehr Exemplare ich teste, desto genauer wird zwar auch das Ergebnis, womit allerdings auch der Aufwand steigt. Der Startversuch dient lediglich dazu um erste eigene Erfahrungen zu sammeln und die Ergebnisse zu protokollieren. Wirklich Sinn macht eine Testreihe allerdings erst im Sommer, während der Vegetationsphase. Von daher sehe ich das ganze auch als Langzeitexperiment, das mindestens bis zum Herbst laufen wird.

Dosierung zum Versuchsstart

Superthrive ist ein hochdosiertes Präparat und bietet verschiedene Dosierungen für verschiedene Anwendungszwecke. Bei meinem Versuch richte ich mich vorerst nach den Angaben aus dem Green24-Forum. Zum Versuchsstart beginne ich mit der Dosierung für die Aktivierung der Pflanzen, wofür 0,25ml ST auf 1000ml Gießwasser gegeben werden. Mit der Pipette lässt sich die Menge recht einfach Dosieren, da jeder Tropfen einer wässrigen Lösung rund 0,05ml umfasst. Somit kommen 5 Tropfen ST auf 1l Wasser.

Zum alltäglichen Gießen kann die Dosis reduziert werden und es reichen 3 Tropfen ST bei 10l Wasser. Desweiteren lässt sich das Mittel auch spritzen und wird über die Blätter aufgenommen. Doch erstmal wird mit der Aktivierungsdosis gegossen. Ich denke, dass ich mit diesem Verhältnis den kompletten Monat durchgießen werde.

Was beim Anmischen auffällt: Superthrive stinkt bestialisch und undefinierbar. Wenn man sich nun auf den Satz beruft, der bei kräftigem Käse gilt: „Was stinkt, ist gut!“, dann wäre das Experiment hiermit schon einstimmig beendet. In Sachen Geruch toppt dieses Präparat schonmal so einiges..

Probanden zum Versuchsstart

Der Langzeitversuch beginnt am 1. Fabruar 2015 und umfasst die oben genannten Pflanzen der ersten Gruppe, welche teils mit jeweils mehreren Exemplaren vertreten sind. Testexemplare sind mit einem weißen Stecker markiert. Bei dem Tray mit den Feigensämlingen des letzten Jahres, wird die gesamte hintere Reihe getestet. Wichtig war mir, bei diesem Test ausschließlich schwache und verkümmerte Pflanzen zu nutzen, deren Ableben kein herber Verlusst darstellt, eh ich den Test auf höherwertigere Pflanzen ausweite.

Details zu den Pflanzen:

  1. Citrus × sinensis (Aussaat 2011)
  2. Ficus carica (Aussaat 2014)
  3. Passiflora edulis (Aussaat 2014)
  4. Physalis peruviana (Aussaat 2014)
  5. Actinidia sinensis (Aussaat 2012)

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5 Antworten zu “Langzeittest: Superthrive – Wundermittel oder Quacksalberei?

  1. Hallo
    Ich benütze es bei den Blumen seit 2 jahren. Viele leute fragen mich was ich mit den Pflanzen machen würde. Sie blühen viel mehr als vorher .

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  2. Hallo Ben, hast du jetzt nach gut einem Jahr schon neuere Ergebnisse zu deinem Experiment?

    Vielen Dank und beste Grüße, Barbara

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    • Hallo Barbara, leider habe ich die Dokumentation des „Experiments“ schleifen lassen. Auch das Gießen mit der Substanz wurde aufgrund von Zeitmangel unregelmäßig. Daher kann ich keine repräsentativen Ergebnisse liefern. Allerdings ist dadurch nichts eingegangen – aber wirklich Herausragendes gabs auch nicht zu bemerken ;)

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