Bestäuben von Primula vulgaris

Wenn es um das Thema Saatgutgewinnung geht, schlüpfen im Betrieb die Mitarbeiter in die Rolle der Bienen und Hummeln: Um homogenes, sortenreines Saatgut zu erzielen, müssen die Pflanzen per Hand bestäubt werden.

Die Bestäubung am Beispiel der Kultur Primula vulgaris ist prinzipiell eine recht simple Aufgabe, die jedoch mit großer Sorgfalt und einer wichtigen Hintergrundinformation durchgeführt werden muss.

Bevor es ans Bestäuben geht, ist es jedoch nötig, sich mit der Anatomie der Blüte von Primula zu befassen: Augenscheinlich scheinen die Pflanzen zweihäusig zu sein. Man erkennt deutliche Unterschiede zwischen den Blüten einzelner Exemplare. Die Vermutung, dass es sich hierbei um männliche und weibliche Pflanzen handeln könnte, ist jedoch ein Trugschluss. Trotz der unterschiedlichen Blütentypen handelt es sich bei Primula um zwittrige Pflanzen, deren Blüten männliche, wie auch weibliche Geschlechtsmerkmale besitzen. Die offensichtlichen Unterschiede in der Anatomie der Blüten bezeichnet man als dimorphe Heterostylie, dem Vorkommen unterschiedlicher Blütentypen innerhalb einer Pflanzengattung.

Sinn und Zweck dieser anatomischen Besonderheit ist der Faktor der Selbstbestäubung, der bei zwittrigen Blüten zum Tragen kommt. Um diesem entgegenzusteuern setzt die Natur auf unterschiedliche morphologische, wie auch genetische Mechanismen. Die Heterostylie ist einer davon.

Konkret äußert sich die Heterostylie bei Primula durch langgriffelige und kurzgriffelige Blütentypen. Beim langgriffeligen Typ sitzt die Narbe oberhalb der Staubblätter, wohingegen beim kurzgriffeligen Typ die Narbe unterhalb der Staubblätter sitzt.

Mit dieser Information im Hinterkopf, richtet man sich den Arbeitsplatz ein. Hierfür werden drei Schalen benötigt. Die mittlere Schale dient im umgedrehten Zustand als Arbeitspodest für die zu bestäubende Pflanze, die beiden anderen Schalen stehen jeweils links, respektive rechts, von der Pflanze.

Bei langgriffeligen Pflanzen reißt man die Kronblätter vorsichtig in zwei Teile und entfernt sie vom Blütenboden, ohne diesen bzw. den Stempel zu verletzen. Bei kurzgriffeligen Blüten zupft man die Kronblätter als Ganzes vom Blütenboden. Durch den kurzen Griffel ist die Gefahr, die Pflanze an diesen empfindlichen Stellen zu verletzen, bei diesem Typ geringer.

Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass die Staubblätter sich an den Kronblättern befinden. Diese stehen im Fokus und werden für das Bestäuben benötigt. Je nach Typ werden die Kronblätter in jeweils eine Schale einsortiert.

Der eigentliche Vorgang des Bestäubens lässt sich mit wenigen Worten zusammenfassen:

Bei kurzgriffeligen Pflanzen nimmt man den Pollen einer langgriffeligen Pflanze und gibt ihn auf die Narbe. Dadurch das die Staubblätter an den Kronblättern sitzen, lassen sich die Kronblätter zu einem praktischen Griff zusammendrehen, wodurch die Staubblätter in exponierter Lage liegen und sich relativ leicht der Narbe zuführen lassen. Bei langgriffeligen Pflanzen wird gegenteilig gehandelt.

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