Passiflora – von der Vorbereitung bis zur Aussaat

Mit einer Woche Verspätung wurde am gestrigen Samstag das zuvor bestellte Passiflorasaatgut gesät. Bevor die Samen jedoch gesät werden konnten, quollen sie für 48 Stunden in raumwarmem Wasser vor. An Passifloraarten bestellte ich:

  • Passiflora alata
  • Passiflora ambigua
  • Passiflora coriacea
  • Passiflora foetida
  • Passiflora incarnata
  • Passiflora macrophylla
  • Passiflora maliformis
  • Passiflora subrotunda

Die einzelnen Arten werde ich in einem weiteren Artikel noch einmal im Detail vorstellen. Vorerst der Bericht zur Aussaat.

Vorbereitung der Aussaat: Vorquellen

Das Vorquellen gehört zu den wichtigsten Vorbereitungen zur Aussat und hat den Sinn, trockenes, nicht mehr erntefrisches, Saatgut zu „aktivieren“. Dabei kann der Samen genügend Wasser aufnehmen und im späteren Anzuchtsubstrat optimal keimen. Die Keimquote wird somit erhöht und im Idealfalle sinkt ebenfalls die Keimdauer.

Im Kontext des Vorquellens vernahm ich in diversen Foren einige Stimmen, die sich komplett gegen diese Methode aussprachen. Nicht näher begründete Bedenken über aufplatzende Samenhüllen und dadurch eintretende Keime wurden gennant. Da beim Keimvorgang die Samenhülle eh aufplatzt und man das Anzuchtsubstrat bei sensiblem Saatgut im Zweifelsfalle sterilisiert, erscheint diese Begründung allerdings hahnebüchen.

Durchs Vorquellen werden Optimierungen geboten, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Zudem ist diese simple Methode ein relativ zuverlässiger Indikator für totes Saatgut. Intaktes Saatgut nimmt das Wasser auf und sinkt dadurch im Laufe des Vorgangs zu Boden. Totes Saatgut, welches nur Luft enhält, schwimmt weiterhin an der Wasseroberfläche und kann meist getrost aussortiert werden. Vergewisserung schafft hier nur ein Blick ins Innere oder der Versuch auf gut Glück. Jedoch gilt schwimmendes Saatgut im Allgemeinen als nicht mehr keimfähig.

Ausnahme: sollte das Saatgut von einer extrem festen Hülle umgeben sein, die kaum Wasser durchlässt, kann es in manchen Fällen nötig sein, diese Hülle mir einer Raspel an einigen Stellen zu öffen. Vorsicht ist dabei geboten, um das Innere nicht zu verletzen.

Vorbereitung der Aussaat: Stratifizieren von Passiflora incarnata

Das Vorquellen der Passiflorasamen ist in allen Fällen notwendig und von Vorteil. Die meisten Samen können direkt im Anschluss gesät werden. Jedoch bildet Passiflora incarnata hierbei eine Ausnahme: Das Saatgut sollte nach dem Vorquellen 8-12 Wochen bei 4°C im Kühlschrank stratifiziert werden.

Das Stratifizieren simuliert den Winter, durch dessen Temperaturen keimhemmende Stoffe im Samen verringert werden und die Keimfähigkeit steigt. Für gewöhnlich findet man diese Bedingung bei einheimischen Gehölzen und anderen Pflanzen mit hoher Kälteresistenz. Dass die Stratifizierung bei einer Passiflora notwendig ist, klingt auf den ersten Blick seltsam. Jedoch ist Passiflora incarnata eine der kälteverträglichsten Passifloras und übersteht Temperaturen bis zu -15°C. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet liegt dabei nicht – wie üblich – in Südamerika, sondern im Osten und Süd-Osten der USA. Besonders die Ostküste wird häufig von extremen Wintereinbrüchen heimgesucht und stellt hohe Toleranzen an die dort heimische Vegetation.

Fürs Stratifizieren werden die Samen direkt nach dem Vorquellen entweder in ein feuchtes Tuch geschlagen und in einem Clipbeutel bei 4°C im Kühlschrank eingelagert. Als Alternative zum feuchten Tuch empfiehlt sich mineralisches Substrat oder aber auch Perlite. Wichtig ist jedoch, dass die Samen während dieser Zeit nicht austrocknen. Die Aussaat erfolgt hierbei nach dem Stratifizieren in gewohntem Schema.

Vorbereitung der Aussaat: Vorbereitung der Aussaatgefäße

Nach dem Vorbereiten der Samen gilt es, die Aussaatgefäße vorzbereiten. Zimmergewächshäuser sind hierbei das Mittel der Wahl, um beste Ergebnisse im Hobbybereich zu erzielen.

Sät man mehrere Arten und Sorten, hat aber nur eine beschränkte Anzahl an Zimmergewächshäusern zur Verfügung, macht es Sinn, die Samen in Kunststoffschalen – statt direkt ins Zimmergewächshaus – zu säen. So sind alle Sorten strikt voneinander getrennt, finden aber dennoch gemeinsam in den Zimmergewächshäusern Platz.

Als Substrat bietet sich gewöhnliche Aussaaterde an, die man am besten schon am Vortag der Saat einfüllt und großzügig mit dem Drucksprüher befeuchtet – wenn nicht sogar durchnässt. Durch die Standzeit verteilt sich die Feuchtigkeit optimal und die Samen werden in nicht zu nasser, aber auch nicht zu trockener Erde gesät. Um Ausfälle durch Trauermückenbefall vorzubeugen, sollte man jetzt schon Gelbtafeln in die Aussaatgefäße stecken. Idealerweise mindestens eine pro Zimmergewächshaus.

Schlussendlich: Aussaat von Passiflora

Nachdem sich das Substrat über Nacht setzte und sich die Feuchtigkeit gleichmäßig verteilte, ist der Zeitpunkt zum Säen gekommen. Einige Quellen bezeichnen Passifloras als Lichtkeimer, deren Samen ausschließlich auf dem Substrat aufliegen, nicht aber bedeckt sein sollten. Andere Quellen – u.A. Fachliteratur aber auch die eigene Erfahrung – zeigen allerdings, dass es Sinn macht, die Samen mit einer dünnen Erdschicht zu bedecken. Alternativ kann auch Sand verwendet werden.

Zur Keimung empfehlen sich Temperaturen von über 25°C und hohe Luftfeuchtigkeit. Geringere Temperaturen zögern den Keimvorgang hinaus. Um die Temperaturen zu erreichen können die Aussaatboxen auf einer Heizung, Heizmatte oder auf einem beheizten Fußboden platziert werden. Regelmäßiges Lüften verhindert den Schimmelbefall. Die Wässerung erfolgt idealerweise via Drucksprüher, da so eine gleichmäßige Dosierung möglich ist.

Sind die Samen gesät, heißt es abwarten. Die Keimdauer ist äußerst unterschiedlich und lässt sich nicht pauschalisieren. Passiflora edulis kann beispielsweise bereits nach zwei Wochen keimen, kann sich allerdings auch mehrere Monate Zeit nehmen. Ähnlich ist es bei anderen Arten der Gattung Passiflora.

Das Datum der Aussaat war der 28. März 2015. Die Uhr läuft!

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