Garten- & Pflanzenapps für Android

Es ist geschehen: mein 6 Jahre altes Nokiahandy hat das Zeitliche gesegnet. Mit ihm meine Kamera, die mich seit Jahren in viel zu engen Hosentaschen begleitete und für nahezu alle Bilder auf diesem Blog verantwortlich war. Es tat in der Seele weh, als das geliebte Tastenhandy letzte Woche urplötzlich den Dienst quittierte, hat es sich doch – in erster Linie wegen seiner Kamera – als unverzichtbares Gadget für mich entwickelt. Als verfechter von kompakten Handys mit physischen Tasten, fiel es mir natürlich schwer, auf den Smartphonezug aufzuspringen. Doch war mir bewusst, dass dieser Zeitpunkt früher oder später kommen sollte. Nach ausgiebigen Recherchen fand ich endlich ein Telefon, das mir trotz meiner Touchscreenaversion merklich zusagte. Ausschlaggebender Grund hierbei: die Kamera, die sich hoffentlich gut mit Pflanzen und Gärten versteht.

Als Smartphoneneuling, der sein Handy nicht als intravenöses Ventil in die Welt der mobilen Internetberieselung sieht, möchte ich mich in diesem Artikel einigen Anwendungsbereichen fernab des Mainstream widmen: den Garten- und Pflanzenapps.

neben relevanten Apps sind auch Spiele und sonstige Programme vertreten

neben relevanten Apps sind auch Spiele und sonstige Programme vertreten

Sucht man im Playstore nach den Begriffen „Garten“ und „Pflanzen“, merkt man recht deutlich, dass man es hierbei mit einem Nischenthema innerhalb der Appwelt zu tun hat. Zwischen einer überschaubaren Anzahl an echten Gartenapps dominieren Spiele und Spaßprogramme, in denen man virtuelle Gärten anlegen und Pixelgemüse ernten kann. Eine Situation, die mich ehrlich gesagt nicht überrascht. Um so erfreuter bin ich über die wenigen Apps zum Thema Garten und Pflanzen, von denen ich einige Vorstellen möchte. Doch auch dort ist nicht alles Gold was glänzt.

Um die Auswahl so objektiv wie möglich zu halten, beschränke ich mich vorerst auf die ersten Apps, die bei der Suche nach dem Stichwort „Garten“ erscheinen. Weder werde ich seitens der Hersteller für diese Vorstellungen entlohnt, noch sind meine Meinungen erkauft. Mir geht es einfach nur darum, eine Übersicht über die gängigen Pflanzen- und Gartenapps zu verschaffen. Weitere Vorstellungen werden folgen.

Garten- und Pflanzenapps für Android

„DIY Garten Ideen“

An erster Stelle der Ergebnisliste steht die App „DIY Garten Ideen“. Laut Beschreibung bietet diese kostenlose App Anregungen zu DIY-Projekten, vornehmlich im Garten. Mit 481 Bewertungen, 4/5 Sternen und über 10.000 Downloads scheint die App eine gewisse Reputation unter den Gartenapps zu besitzen und verleitet aufgrund ihrer prominenten Position durchaus zum Installieren.

Die 4,7Mb waren per WLAN schnell geladen, die App schnell installiert. Angesichts der Beschreibung erwartete ich Anleitungen zu kreativen Problemlösungen. Diese gibt es auch, doch wirkt die App mager und lieblos. Die ganze App besteht lediglich aus 24 Bildcollagen zu DIY-Projekten, durch die per Fingerwisch navigiert wird. Die Ideen sind durchaus interessant, doch geistern einige dieser Bilder bereits seit Jahren durchs Netz. Beschreibungen oder Einkaufslisten zu den Projekten sucht man vergebens. Es wirkt, als hätte man lediglich Bilder zusammenkopiert und in eine App gepackt. Quellenangaben zu den verwendeten Bildern sucht man vergebens.

Fazit: nette Ideen, aber angesichts der Tatsache, dass man einige der Bilder aus anderen Quellen kennt, bleibt ein fader Nachgeschmack. Es wirkt fast, als wollte man sich hier mit fremden Federn schmücken.

„Garten Manager“

Ebenfalls kostenlos ist die App „Garten Manager“. Kurz gesagt versteckt sich hinter dem eher weit gefassten Titel ein Programm, welches an Aktivitäten wie gießen, schneiden, düngen, umtopfen u.A. erinnert. Neben der vorgegebenen Liste an Aktivitäten, lassen sich weitere benutzerdefinierte Aufgaben hinzufügen. Erwähnenswert hierbei ist, dass man für jede Pflanze einen individuellen Plan erstellen kann. Zur Verdeutlichung kann man hier auch ein Bild und eine kurze Beschreibung zur entsprechenden Pflanze hinzufügen.

Neben der offensichtlichen Hauptfunktion (Erinnern an gießen etc.), verbirgt sich etwas versteckt in einem Menü die Möglichkeit ein Fototagebuch zu einer jeweiligen Pflanze anzulegen. Eine besonders schöne Funktion, um beispielsweise Aussaaten zu protokollieren. Auch das Wachstum lässt sich aufzeichnen und Anhand eines Diagramms darstellen.

Fazit: eine interessante App, die durch einen In-App Kauf von Werbung befreit werden kann. Durch die Erinnerungsfunktion eine durchaus interessante Sache für Pflanzenfreunde, die ihre Schützlinge hin und wieder vergessen. Die Protokollfunktion wird jeden erheitern, der seinen Pflanzen gern beim Wachsen zusieht. Aufgrund der Unhandlichkeit eines Smartphones, wird diese App für mich allerdings keine ernstzunehmende Option darstellen. Wer es bislang ohne App schaffte, seine Pflanzen zu pflegen und protokollieren, wird auch in Zukunft keine App brauchen.

„Stauden Ratgeber“

Beim Stöbern schien es mir, als wäre der „Stauden Ratgeber“ eine der wenigen wirklich professionellen Apps aus dem Gartenbaubereich, die der Playstore zu bieten hat. Veröffentlicht vom Stauden Forum – einer Gemeinschaft von Staudengärtnern -, erfährt man hier in einer umfangreichen Datenbank Informationen zu über 1400 Stauden direkt aus erster Hand. Über Suchkriterien wie Verwendung, Standort, bot. Name, Blütenfarbe, Blütezeit, Blattfarbe, Höhe und Standort, eignet sich diese App ebenfalls gut zum Bestimmen unbekannter Stauden.

Fazit: Viele Worte brauche ich zu dieser App nicht erwähnen. Diese App kommt ohne Schnickschnack und komplexer Menüstruktur aufs Smartphone, hier zählt der Inhalt – und der weiß zu überzeugen. „Stauden Ratgeber“ ist ein umfassendes Kompendium, das jeden Gartenbesitzer ansprechen dürfte. Hat man sich ersteinmal via App über die mögliche Staudenbepflanzung informiert, führt die integrierte Händlersuche direkt zu einem Staudenhändler in der Nähe. Eine Art Wunschliste hat die App allerdings nicht zu bieten.

„Garten: Gemüsepflanzen“

„Garten: Gemüsepflanzen“ ist eine App, die besonders für den Selbstversorger interessant sein kann. Übersichtlich in einer Art Datenbank eingepflegt, informiert die App über die verbreitesten Gemüsesorten und gibt Hinweise zum Anbau. Neben den Standardinformationen zu Anbau- und Erntezeit u.A. wird hier zusätzlich über die möglichen Nachbarn der Pflanzen in Mischkultur informiert. Schließlich verträgt sich nicht jede Pflanze miteinander, was im schlimmsten Falle zu Ernteeinbußen führen kann. Mit diesen Informationen sollte das Projekt Selbstversorgung zumindest ein gutes Basisfundament in Sachen Knowhow erhalten.

Dass simples Design auch optisch ansprechend sein kann, zeigt der „Stauden Ratgeber“ recht gut. Die App „Garten: Gemüsepflanzen“ hingegen, wirkt zumindest optisch eher wie ein rohes Stück Holz. Das Hauptmenü besteht lediglich aus 4 Buttons und einem Werbebanner. Doch letztendlich kommt es ja auf die Inhalte an.

Fazit: Ein guter Ansatz, doch die Umsetzung erscheint etwas holprig. Was nervig ins Auge fällt, ist das Werbebanner, das über jedem Inhalt der App mit einiger Verzögerung erscheint – dafür ist die App allerdings auch kostenlos. Auch könnte die Datenbank ruhig umfassender sein. Bei insgesamt 45 Einträgen besteht noch Luft nach oben. Wie so oft bei reinen Datenbankapps, ist auch hier die Alternative: Fachliteratur.

„innerer Garten“

Auf Platz 5 der Ergebnisliste zum Suchbegriff liegt eine App mit den Titel „innerer Garten“. Wer hier allerdings eine Gartenapp erwartet, wird enttäuscht. „Innerer Garten“ ist lediglich ein Spiel, das dem Nutzer einen virtuellen Garten erschaffen lässt. Da ich mich hier ausschließlich echten und v.a. sinnvollen Apps widmen möchte, werde ich nicht tiefer auf „Innerer Garten“ eingehen.

„Garten und mehr“

Auf die App des Pflanzenschutz- und Düngemittelherstellers Neudorff war ich wirklich sehr gespannt. Wie würde eine App einer bekannten Marke aussehen? Dass solche Produkte meist durch aggressive Eigenwerbung glänzen, ist leider ein Fakt, den man nicht unter den Teppich kehren kann. Aber gelingt hier der Spagat zwischen Eigenwerbung und informativem Nutzen? Die Installation der rund 14 MB großen App schaffte Klarheit.

Die Frage nach dem Nutzen kann ich getrost mit einem „Nein“ beantworten. Ein Blick in die Rezensionen zu dieser App hätte auch im Vorfeld nicht schaden können. Interessanterweise weichen diese äußerst kontrastreich auseinander. Doch besonders bei den negativen Kommentaren spiegelt sich ein und der selbe Grundtenor wider: diese App ist nichts weiter, als ein PDF Dokument eines Werbeblättchens, welches in jedem Gartencenter ausliegt. Und genau das ist es auch. Wer hier eine sinnvolle App erwartet, bekommt lediglich eine digitale Version der Neudorff Garten Fibel. Zwar umfasst dieses Magazin einige interessante Hinweise – sofern man den aggressiven Werbecharakter ausblendet, doch die PDF Version dieses Blattes als App anzupreisen, ist schon äußerst dreist.

Fazit: die Neudorff Garten Fibel liegt im Gartencenter in gedruckter Form aus. Die „App“ hingegen ist ein überflüssiger Ressourcenfresser.

ein fader Nachgeschmack bleibt

Als appsoluter Neuling, bin ich sicherlich mit der falschen Erwartungshaltung an das Thema „Gartenapps“ herangegangen. Was habe ich erwartet? Ich weiß es selbst nicht. Es ist sehr erstaunlich, was alles als App durchgeht und wie weit der Begriff App definiert ist. Bildersammlungen ohne jeglichen Kommentar, digitalisierte Werbehefte oder im Kontrast dazu: informative Datenbanken. Die Qualität der Apps unterscheidet sich gewaltig.

Natürlich wird dies nicht mein letzter Ausflug in die Welt der Garten- und Pflanzenapps sein. Ich werde von Zeit zu Zeit weitere Apps aus diesem Genre vorstellen.

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2 Antworten zu “Garten- & Pflanzenapps für Android

  1. Hallo Ben,
    Deine Erfahrungen decken sich leider mit meinen aus dem itunes-Store. Ich hoffte auf Unterstützungen wie Gartenkalender oder Schädlingsbekämpfung. War leider sehr enttäuscht.
    Ich bin gespannt ob Du noch brauchbare Apps ausgräbst.
    Viele Grüße
    Angela

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    • Hallo Angela,
      dieses „Problem“ scheint wohl in vielen Appstores zu existieren. Wirkliche Qualität findet man in so einem Genre (Garten & Pflanzen) dahingehend leider kaum. Selbst kostenpflichtige Apps scheinen nicht das Gelbe vom Ei zu sein..

      Ben

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