Gedanken zum Bloggen: warum blogge ich überhaupt?

Betrachte ich die Blogosphäre, stelle ich mir immer wieder die Frage, wie ich selbst zum bloggen kam, wieso ich mich mit dieser Thematik überhaupt so intensiv auseinandersetze und ein Teil dieser Gemeinschaft geworden bin, die ich irgendwie doch kaum verstehe.

Das Bloggen spielte für mich nie eine besondere Rolle. Angefangen vor sieben Jahren auf einem großen Gratisblogportal, welches mittlerweile zu Google gehört, stellte ich schnell fest, dass mich bloggen wahrscheinlich nie begeistern könne. Traumatisiert von der Einfachheit, dieses vorgefertigten Systems, welches dem User kaum Eigeninitiative abverlangte und die eigenen Inhalte lieblos der Öffentlichkeit präsentierte, nahm ich früh wieder Abstand vom bloggen, ohne mich weiter mit der Materie beschäftigt zu haben. Während vielerorts von den simplen Möglichkeiten, seine Gedanken zu veröffentlichen, geschwärmt wurde, war es gerade dieses Simple, welches mich das Bloggen lange Zeit skeptisch beäugeln ließ. Jeder Blog glich sich wie ein Ei dem anderen. Individualität wurde darauf reduziert, Farbschemata und Headergrafiken zu ändern. Doch die eigenen Gedanken in vorgefertigte Verpackungen zu quetschen und auf einer Seite präsentieren, mit der ich mich nicht identifizieren konnte, kam für mich nicht in Frage.

Selber hosten war die Alternative. Individualität und Flexibilität, die sich einem boten schienen zu verlockend. Mit eigenem Server und eigener Domain wollte ich durchstarten und sammelte Erfahrungen in Sachen Webhosting. Doch Administration und Programmierung stellten den eigentlichen Grund der Anschaffung – das Bloggen – hierbei in den Hintergrund. Der Grund für die Interessenverlagerung war ansich zu banal, wie auch fatal: ich hatte kein Konzept für die Seite und beschäftigte mich mehr mit technischen Aspekten, als mit den Inhalten. Die plötzlich vorhandene ungewohnte Flexibilität mit all ihren Möglichkeiten zur Gestaltung und Modifikation des Blogs zog mich zu sehr in den Bann. Ich erweiterte zwar meine Fähigkeiten in Webprogrammiersprachen, erlernte gar neue, doch das Bloggen blieb auf der Strecke. Besucher verirrten sich schon längst nicht mehr auf meiner Seite, obendrein standen die Ausgaben in keinem Verhältnis zum Zweck. Die Motivation, Artikel zu veröffentlichen sank und die Webseite verwahrloste. Schlussendlich erklärte ich das Projekt für gescheitert und abermals zog ich mich aus der Blogosphäre zurück.

Das Konzept muss stimmen

Sicherlich waren meine Vorstellungen und Ansprüche damals noch andere. Heute seh ich all dies nicht mehr so eng. Mir reicht es, eine kostenlose Plattform zu haben, auf der ich meine Inhalte präsentieren und teilen kann. Die Flexibilität der heutigen kostenlosen Blogsysteme, ist für den privaten Bedarf vollkommen ausreichend um eine Seite nebst individueller Inhalte auch optisch ansprechend zu gestalten. Nach etlichen gescheiterten Blogversuchen, ist dies mein erster Blog, der auch nach fast zwei Jahren, 60.000 Besuchern und exakt 300 Artikeln noch existiert und gepflegt wird.

Als ich Anfang 2011 meine ersten Artikel zur Aussaat veröffentlichte, dachte ich im Traum nicht daran, ein Publikum zu erreichen, geschweige denn, im Bloggen ein neues Hobby zu finden. Viel mehr diente mir der Blog als persönliches Journal zur Projektdokumentation eines anderen Hobbys. Doch das war auch der gravierende Unterschied zu meinen bisherigen Blogversuchen: ich hatte zum ersten mal ein Konzept, welches mich selbst überzeugte und bis heute immer wieder aufs Neue motiviert, neue Artikel zu verfassen.

Das Konzept ist das A und O einer jeden Webseite, eines jeden Blogs, eines jeden Produktes. Ein roter Faden, der Inhalte zum Leser lenkt und Interessen verknüpft. Mittlerweile betreibe ich drei Blogs, welche unterschiedlicher kaum sein können. Ideale Ausgangspunkte, um Statistiken zu erheben und gewisse Verhaltensweisen potentieller Leser und Verweigerer auf einem breiten Gebiet nahezu soziologisch zu analysieren und dokumentieren.

Besucher gibt es viele, Leser hingegen wenige..

Mit den ersten tausend Besuchern, die mir die Suchmaschinen bescherten, leckte ich Blut. War der Blog zwar noch wenige Wochen zuvor als rein privates Gedankensammelsurium gestartet, reizte es mich nun doch, ein Publikum zu erreichen, um meine Erfahrungen zu teilen und Resonanzen zu ernten. Doch wie aus dem Schatten emportreten und Aufmerksamkeit erregen, ohne potentielle Leser durch zu penetrantes Auftreten direkt zu vergraulen? Eine Frage die ich mir auch heute noch ziemlich oft stelle. Schließlich will man ja nur Interessierte Menschen erreichen, ohne andere – weniger interessierte – Leute, mit für sie überflüssiger Werbung, zu nerven.

Als blutiger Greenhorn auf diesem Bereich, suchte ich mir Ratschläge in Foren. Der Grundtenor der Antworten lautete immer gleich: Werben, werben und nochmals werben; Werben in Foren, werben in Signaturen, werben auf anderen Seiten, werben in Social Networks, werben wo es nur geht und dazu natürlich Suchmaschinenoptimierung am Herzen der Webseite und das wichtigste: interessante Inhalte. Denn wozu werben, wenn nichts geboten wird. Ich maße mir mal an, dass sich meine Seite nicht verstecken muss. Die Kritiken waren bislang ausnahmslos positiv. Der Inhalt ist also vorhanden. Doch für jemanden wie mich, der nur mit Adblocker ins Netz geht und Werbung jeglicher Art grundsätzlich verschmäht, stellt diese Antwort einen riesigen Gewissenskonflikt dar. Geld aus etwaigen Werbeeinnahmen würde ich mit dieser Webseite eh nie verdienen. Ich will lediglich eine bestimmte Zielgruppe ansprechen, um meine Inhalte und Erfahrungen zu teilen. Was bringen schon Clicks von Besuchern, die der Inhalt eh nicht interessiert? Besucher gibts viele, Leser hingegen wenige..

Methoden wie SEO sind bei einem Freehoster wie wordpress.com nur bedingt anwendbar, da man weder entsprechende quellcode-optimierende Addons installieren kann, noch selbst direkten Einfluss auf den Quellcode der Seite hat. Bei invalidem HTML muss man einfach ein Auge zudrücken. Natürlich ist man hierbei aus dem Schneider, wenn man seinen Webspace selber betreibt. Doch dieses Kapitel ist abgehakt und stellt für mich keine Option mehr dar. Bleibt in Sachen Suchmaschinenoptimierung ansich nur die Verwendung von Schlüsselworten und Hervorhebung derer in den entsprechenden Artikeln, um Suchmaschinen auf diesem Wege auf den Inhalt aufmerksam zu machen. Parallel dazu dezente Werbung mit der Hoffnung im Hinterkopf, mit gebotenen Inhalten soweit punkten zu können, um irgendwann einmal selbst empfohlen und verlinkt zu werden.

Werbung verboten!

Was das Werben angeht, so entschloss ich mich, meine Signaturen in themenrelevanten Foren mit einem Link zum Blog zu ergänzen. Dezent und legitim, so erschien es mir. Doch ereilte mich hier auch schon die erste Hürde: Links in Signaturen sind scheinbar häufig nicht mehr gern gesehen. Hier und da hagelte es Verwarnungen wegen grober Verstöße gegen geltende Forenregeln. Auch wenn mir solche Regelungen bei teils fünf Jahre alten Accounts von Stammpostern eher grenzwertig erschienen, verfolgte ich die Vorfälle nicht weiter und beantwortete weiterhin Threads in denen ich helfen konnte.

Hier und da zitierte ich Inhalte themenrelevanter Blogartikel und verlinkte auf solche zwecks Ergänzung des Beitrages. An Werbung dachte ich zwar nicht, als ich diese Beiträge verfasste, doch zeigte auch hier erneut die Moral einiger Foren ihr heuchlerisches, wahres Gesicht. Völlig ungeachtet der Tatsache, dass es sich bei besagten Links um konstruktive Ergänzungen zum eigentlichen Beitrag handelte, welche von Themenstartern dankend angenommen wurden, hagelte es weiterhin Ermahnungen und Verwarnungen wegen unerlaubten Werbens. Ansich könnte ich mich aufregen, ob dieser Doppelmoral. Einerseits wird einem in Foren zum Werben geraten, anderseits werden selbst legitim scheinende, konstruktive Verlinkungen oft – und ja, um Einzelfälle handelte es sich hierbei leider nicht – abgestraft.

Wie kann ein privater, nicht kommerzieller Blogger unter solchen Umständen jemals aus seiner Versenkung emportreten und seinen Leserkreis erweitern? Es ist und bleibt mir ein Rätsel!

kenn ich nicht, interessiert mich nicht!

Werben hin oder her. Im Grunde ist es völlig egal, auf welchem Wege man seine Seite bewirbt. Was in der Theorie recht praktikabel klingt, scheitert in der Praxis meist an einem Faktor: dem Wille des Umworbenen, das Beworbene zu beachten. Ob man per SEO um die Gunst der Suchmaschinen buhlt, welche verlinkte Inhalte einem Suchenden präsentieren, oder man seine Inhalte selbst verlinkt bzw. in Linklisten und soziale Netze einträgt und potentielle Leser auf diesem Wege direkt anzusprechen versucht: Beides zielt darauf ab, dass ein wohlgesonnener Leser dem entsprechenden Link Beachtung schenkt und optimalerweise sogar anclickt. Anscheinend gilt hier allerdings wie so oft das Motto „kenn ich nicht, interessiert mich nicht!“.

Was das Thema Ignoranz und Beachtung von (unbekannten) verlinkten Inhalten im Netz angeht, so kommen immer wieder ganz und gar abstruse Phänomene ans Tageslicht. Es es im Grunde völlig unabhängig von der Qualität des gebotenen Inhaltes. Wenn der Besucher nicht clicken will – aus welchen Gründen auch immer – clickt er nicht. Es ist sogar egal, ob der Besucher explizit nach diesem Inhalt suchte und ihn genau dieser Inhalt interessieren könnte. Wenn er nicht clicken will, clickt er nicht. Überspitzt könnte man sogar behaupten, dass es egal ist, ob der verlinkte Inhalt, von welchem der Besucher nur noch einen einzigen Click entfernt ist, das Leben des selbigen, ungemein verbessern könnte. Wenn der Besucher nicht clicken will, clickt er nicht. Vielfach wird eben unverständlicherweise die Flinte direkt vorm Ziel ins Korn geworfen.

In diesem Kontext nenne ich immer wieder gern das Paradebeispiel schlechthin: Wie ich eben schon erwähnte, betreibe ich noch einige andere Blogs. Konkret handelt es sich in diesem Beispiel um eine Webseite, welche Einsteigern das Ukulelenspiel nahebringen soll und diesbezüglich einige Informationen, Workshops und Anleitungen zum Thema Ukulele bereitstellt. Unter anderem auch eine Sammlung mit alten Weihnachtsliedern, umgeschrieben für die Ukulele. Insbesondere zum Jahresende erreichen Täglich zig, manchmal gar hunderte von Besuchern diese Seite über explizite Suchanfragen nach eben Weihnachtsliedern als Ukulelefassung. Die meisten lesen den Entsprechenden Artikel, doch nur die wenigsten öffnen den – mehr als deutlich markierten – Link zu den verlinkten Weihnachtsliedern, welche sie explizit suchten. Von der Tatsache, dass sich von insgesamt tausenden Besuchern nur eine knappe Handvoll fürs Gebotene bedankten, ganz zu schweigen.

Im Grunde lässt sich die Thematik endlos interpretieren und deuten. Doch wo käme ich dann hin? Letzendlich würde ich sicherlich bei mangelnder Zivilcourage, Ignoranz und sonstigen Makeln der heutigen Gesellschaft landen, ins Unermessliche ausschweifen und mich über sie echauffieren. Seis drum! Sicherlich wird auch dieser Artikel – übrigens der 300. Artikel auf diesem Blog, yay! – in die Versenkung geraten. Bei mehr als 1.600 Worten würde mich dies auch nicht sonderlich verwundern. Ansich hätte ich mir das Gegenlesen wohl auch bis hier unten sparen können. Oder liest jemand ernsthaft diese Zeile? Wahrscheinlich fällt nichtmal auf, dass dieser Artikel vollkommen offtopic ist. :-)

Wenn doch: unten ist ein Kommentarfeld!

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8 Antworten zu “Gedanken zum Bloggen: warum blogge ich überhaupt?

  1. Pingback: Unterwegs im Emsland (und Umgebung) | Vegetation daheim - Garten- und Pflanzenblog·

  2. Wenn du so weitermachst und gute Artikel schreibst, dann hast du Werbung in Foren etc. gar nicht nötig. Wichtig ist es den Start zu schaffen und danach mit Qualität zu glänzen. Deine Artikel sind TOP, also must du so weitermachen wie bisher und etwas Geduld haben. Denke mal in ein paar Monaten sehen die Besucherzahlen schon ganz anders, spricht Positiver aus.

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    • Hallo, danke für den Kommentar und danke fürs Lob! Der Artikel spiegelt allgemeine Gedanken wider, welche mich während der letzten zwei Jahre des Bloggens begleiteten. Insbesondere das Thema Besucherzahlen ist eine Sache, die für mich mittlerweile zweitrangig ist bzw. anders gewertet wird. Wer etwas finden will, findet es im Internet sicherlich auch. Als Nischenblog ein Teil des Ganzen zu sein und zwischendurch solche netten Kommentare zu lesen, ist doch schon Motivation genug! :)

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  3. Sehe es als Trost: Du bist mit diesen Problemen nicht allein. Insgesamt wird in der Blogosphäre bemängelt, dass es kein Wir sondern meist nur ein Ich gibt.

    Diverse bekannte Blogger machen auch darauf aufmerksam und werden damit den ein oder anderen auch erreicht haben. Aber letztlich wird es immer welche aus dieser Ecke geben.

    Bleibt einem selber nur, dass man es eben nicht so macht wie die. Man zurücklinkt, in seinen Foren/Kommentaren eben auch einen sinnbezogenen Werbelink auch mal duldet und sich eben im Gegensatz zu solchen Leuten nicht wie das letzte Arschloch verhält.

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  4. So, ich habe Deinen Artikel ganz durchgelesen und muss Dir in vielen Punkten recht geben. Ich wollte einmal in einem Pilzforum nachfragen und habe den entsprechenden Artikel dorthin verlinkt mit der Bitte um Hilfe zur Bestimmung der Pilze – ach herrje ich habe viel Kritik einstecken müssen von selbsternannten Experten und Co. Dabei hatte ich es überhaupt nicht im Sinn explizit Werbung zu machen.

    lg kathrin

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    • Zuallererst, mein Beileid fürs lesen des kompletten Gefasels!^^ Das von Dir gebrachte Beispiel ist ja auch wieder so ein Paradebeispiel der Paradoxität diverser Bereiche der Netzkultur. Man sucht einen Rat. In der Hoffnung hilfreiche Antworten zu erhalten, verlinkt man weitere Informationen und schon kommen die ersten Vorwürfe und Unterstellungen. Könnte dazu auch noch etliche weitere Beispiele nennen.. manche Foren halten es wirklich arg übertrieben mit ihren „Regeln“.

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