Rothenberger Pocket Torch – Zu klein für einen Lötbrenner, zu groß für ein Feuerzeug.

Ich gebs zu, ich stehe nicht nur auf Gestrüpp, sondern auch auf technischen Firlefanz, Gadget genannt. Erweist sich dieser Firlefanz in irgendeiner Art als praktisch oder sticht irgendwie aus der Menge an Firlefanz hervor; um so besser, da muss ich zuschlagen! So geschehen unlängst bei diesem filigran wirkenden Gerät, dessen Nutzen einem bei purer Betrachtung nicht immer schlüssig ist. Bei dem nur 9,5cm hohen Gerät Namens Pocket Torch der Firma Rothenberger handelt es sich nämlich um einen gasbetriebenen Lötbrenner im Kleinstformat.

Betrieben wird das Teil laut Handbuch mit einer Mischung aus Propan und Butan. Bei mir tuts aber auch normales Feuerzeuggas (reines Butan), auch wenn es nicht die empfohlene Variante ist, da Butan bei kühlen Temperaturen nicht mehr in den gasigen Aggregatzustand übergeht und der Brenner nicht mehr zündet. Wer also plant, seine Silvesterraketen damit zu zünden sollte also besser mit Propan/Butan-Gemisch tanken! Gezündet wird komfortabel per Piezozündung. Mit einem satten Rauschen zischt eine – bei Tageslicht – kaum sichtbare, schwachblaue Flamme aus der Düse, deren Größe sich nur erahnen lässt, aber bei größter Stufe durchaus bei 10cm liegt. Der Hitzeschwall ist selbst in 30cm Entfernung spürbar. Kein Wunder bei einer Flammtemperatur von 1300°C. Damit lässt sich theoretisch einiges anstellen: Hartlöten, Schrumpfschläuche schrumpfen, Crème brûlée karamellisieren, Grill-/Shishakohle anzünden, Glas schmelzen, sich die Finger verbrennen, etc..

Die Verarbeitung des Pocket Torch ist akzeptabel. Trotz der Plastikoptik, dem Plastiktank und dem Plastikkopfteil, wirkt der Brenner recht robust. Doch wie lang er letztendlich im Dauerbetrieb durchhält, ohne zu zerfließen, möchte ich ungern ausprobieren. Bereits wenige Betriebssekunden lassen das Kunststoffgehäuse des Kopfes sehr heiß werden. Zwar bewirbt Rothenberger diesen Brenner als Lötgerät, doch zum Hartlöten und Dauerbetrieb würde ich ihn definitiv nicht nutzen. Das Plastikgehäuse degradiert dieses Gerät ansich schon aus Prinzip zu einem Feuerzeug, welches nur sekundenweise in Betrieb genommen werden sollte. Doch auch hier gibt es leider Abstriche: Zwar wird das Gerät auf der Verpackung mit dem Begriff „outdoor“ beschrieben, doch lässt sich die Flamme viel zu leicht auspusten, als dass eine solche Anwendung Sinn ergäbe.

Im großen und ganzen ein zwiespältiges Gerät, das in der Theorie das perfekte Helferlein für Bastler und Heimwerker zu sein scheint, in der Praxis aber leider nicht komplett überzeugen kann. Zu klein für einen Lötbrenner, zu groß für ein Feuerzeug, um es in der Hosentasche zu tragen. Viele der theoretisch möglichen Anwendungsmöglichkeiten scheitern an der absurd-widersprüchlichen Verarbeitung des Gerätes (Plastikteile im Bereich des Brenners!).  Als Feuerzeug mit MacGyver-Hauch, zum anzünden von Grillanzündern und Gartenfackeln, aber durchaus zu empfehlen. Verblüffte Gesichter beim zücken des Pocket Torch, auf die Frage nach einem Feuerzeug, sind quasi vorprogrammiert. Schließlich hat nicht jeder einen Lötbrenner dabei.

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