Sterne im Frühling – der Osterkaktus (Gastbeitrag von Jan Siegel)

Ein Klassiker im Frühjahr ist der Osterkaktus (Rhipsalidopsis). Schon früher wurde er als frühblühende Kübelpflanze sehr geschätzt. Leider hat er mit der Zeit einen etwas staubigen Touch bekommen. Jedoch: Spätestens im März findet man seit einigen Jahren in fast jedem Prospekt Angebote zu dieser Pflanze, oftmals zeitgleich mit Schlumbergera zusammen.

Paradox: Einerseits wird der Markt im Frühjahr überschwemmt, während die dauerhafte Kultur über Jahre hinaus meist nur durch Liebhaber epiphytischer Kakteen stattfindet. Selbst unter Kakteenfreunden sind sie als „Ziegenfutter“ oder ähnlichen Bezeichnungen verpönt, da sie ausserhalb der Blütezeit im Gegensatz zu den anderen Kakteen optisch durch fehlen einer bunten Bedornung eher wenig, tja, hervorstechen.

Die markanten sternchenförmigen Blüten machen jedoch als Knospen bereits einiges her – Läuten sie doch mit ihren kräftigen Farben rechtzeitig den Frühling ein. Die Mühe lohnt sich also!

Die Naturform des Osterkaktus ist Rhipsalidopsis gaertneri, ein weiterer epiphytischer Kaktus aus Südamerika, der wie Bromelien im Astwerk der Bäume wächst und eine ausgeprägte Ruhezeit durchlebt mit wenig Wasser, aber reichlich Luftfeuchte und kühler Luft. Sie vertragen pralle Sonne sehr schlecht und lieben es eher halbschattig.

Im Anschluss an diese Ruhezeit findet dann das Blütenfeuerwerk statt, welches sich teilweise über Wochen hinziehen kann. Danach benötigt die Pflanze reichlich Feuchtigkeit um ihre Reserven wieder aufzufüllen. Für uns heisst es dann also :

  • Rhipsalidopsis möchte gerne, obwohl er ein Kaktus ist, eher unübliches Substrat mit einer ordentlichen Portion Humus. Ich nehme eine Mischung aus 2/3 Erde-Perlite Mix mit 1/3 Pinienrinde oder vergleichbar.
  • Die Erde sollte immer leicht feucht bleiben, aber nicht tropfnass. Rhipsalidopsis nehmen das schnell sehr übel und beginnen zu faulen. Es kommt zu Triebabwurf.
  • Rhipsalidopsis sollte, sobald es nicht mehr friert, raus in den Halbschatten an die frische Luft. Das härtet ab und die Unterschiede zwischen Tages- und Nachttemperatur animieren oftmals zu einer Sommerblüte. Meine stehen Nordwestlich in Abendsonne und werden reichlich besprüht.
  • Im Herbst gehts dann nicht ins Wohnzimmer, sondern besser ins kühle Schlafzimmer oder ähnlich. Meine stehen im ungeheizten Dachgeschoss bei 8-15 Grad und einem monatlichen Schluck Wasser. Ich sprühe dann auch im Winter häufiger.
  • Sobald die Knospen ca. 1cm länge erreichen, kann man wieder wärmer stellen und die Wassergaben erhöhen. Ich giesse dafür einmalig sehr kräftig an und steiger dann die Wassergaben schlückchenweise. Die Erde sollte oberflächlich antrocknen, bevor erneut gegossen wird.
  • Osterkakteen lassen sich über Stecklinge vermehren, dazu steckt man sie direkt ins Substrat. Ich halte sie zum Bewurzeln eher etwas trockener.

Noch ein paar Tipps zum Kauf:

  • die Pflanzen sollten nicht geflutet im Wasser stehen. Ist die Erde komplett tropfnass, lohnt sich der Kauf schon nicht mehr, da ist Wurzelfäule mit Triebabschmiss schon Im Preis enthalten.
  • die Knospen sollten prall und fest sitzen. Das lässt sich allein schon dadurch feststellen, das man die Pflanze mit Topf anhebt; Fallen massenhaft Knospen, die Pflanze stehen lassen.
  • Die Knospen sollten nicht zu weit entwickelt sein, wie bei Schlumbergera gibt es da einige Zicken die dann zu Hause alles abwerfen.

Rhipsalidopsis sind für mich ebenso wie Schlumbergera eine wundervolle Pflanze um die (fast) blütenlose Zeit im Winter und im zeitigen Frühjahr zu beleben, ein Farbtupfer ist da im tristen Grau, während die Natur im Garten noch größtenteils schläft, doch immer gern gesehen.

Zum Schluss noch eine kleine Besonderheit:

Hatiora salicornioides ist zwar auch ein Osterkaktus, erinnert aber im Wuchs eher an einen Rhipsalen. Seine kleinen gelben Blüten wirken auch sehr apart und grazil. Er kann etwas früher als die Rhipsalidopsis mit blühen beginnen. Gepflegt wird er genau wie Rhipsalidopsis.

Ich danke meinen beiden Kakteenfreunden Rita Govori, die mir gerne Bilder ihrer Rhipsalidopsen gab, sowie Bernhard Lingnau, der mir die Bilder seines Hatiora Salicornioides und Salicornioides f. Stricta zur Verfügung gestellt hat.

Danke an Jan für den detailreichen Einblick in die Osterkakteen, Rhipsalidopsis.

 

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