Trödelmarkt-Olive mit Bonsai-Potential

olive_100315_4Auch Pflanzenhändler haben Trödelmärkte mittlerweile für sich entdeckt, um Reste und B-Ware zu veräußern. Die Erfahrung zeigt: Als passionierter Pflanzenjäger kann man auch in unbekannten Jagdgefilden schöne Fänge machen.

Mein neuester Zugang ist ein solcher Trödelmarktfang und hat gute Chancen und Potential, um später einmal vielleicht ein netter Bonsai zu werden.

Die Bonsaigestaltung ist für gewöhnlich ein jahrelanger Prozess, mit dem viele Schritte und vor allem viel Geduld einhergehen. Jeder Schnitt hat Einfluss auf das spätere Wachstum und will sorgfältig geplant sein. Im schlimmsten Falle führt ein falsch gesetzter Schnitt dazu, dass neue Triebe nicht in die erwünschte Richtung wachsen. Besonders bei Pflanzen mit kreuzgegenständigen Blättern kann diese Eigenschaft zu unschönem Wuchs führen, der später nur schwer korrigiert werden kann. Bedeutend schneller geht es, wenn man Pflanzen zur Verfügung hat, die der späteren Form bereits schon recht nahe kommen.

Geht es um Olivenbäume, haben die meisten Exemplare, die man im Einzelhandel findet, eine typische „Lolly-Form“. Sprich: nahezu senkrechtes Stämmchen auf dem eine fast runde Krone thront. Ist es die erste Pflanze dieser Art, mag man für den Anfang an dieser Form sicher seine Freude haben. Doch bietet der typische Hochstamm kaum Freiräume für eigene Kreativität und hat mit dem natürlichen Habitus rein gar nichts gemeinsam. Interessanter wird es, wenn man sich an eben diesem orientiert. Schaut man sich alte Olivenhaine an, fällt ein gedrungener, kräftiger Stamm ins Auge, der sich relativ früh zu verzweigen beginnt. Meist sind die Bäume geneigt und weisen – stark abstrahiert – eine Y-Form auf.

Der Neuzugang, den ich hier vorstelle, ist ein solcher Fall. Gefunden an einem Ort, an dem ich am Wenigsten mit Pflanzen rechnete, zudem mit Pflanzen die gar mein Interesse weckten, erwischte ich auf einem Trödelmarkt eine kleine Olive, deren Wuchs mich auf Anhieb überzeugte. Für einen nahezu lächerlichen Preis von vier Euro war natürlich klar, dass diese Pflanze meins werden sollte. Zwar war die Pflanze, so wie sie im Regal des Händlers stand, unförmig und die Triebe wuchsen in alle Richtungen, doch fiel auch in diesem Zustand des Wildwuchses die schöne Verzweigung auf, die bereits jetzt schon stark an den natürlichen Habitus erinnerte.

Zuhause angekommen, begab ich mich direkt an den Rückschnitt der Pflanze und entfernte alle überlangen Triebe, die aus der Krone herausstanden, sowie einige Triebe, die diagonal durch die Krone und nach unten wuchsen. Bereits nach wenigen Minuten zeichnete sich nun eine kompakte Krone ab, die zwar noch einiges an Gestaltungsmaßnahmen über sich ergehen lassen muss, jedoch meinen Vorstellungen bereits recht nahe kam. Anschließend wurde mit einem Löffel und einem Brotmesser der Wurzelballen vorsichtig verkleinert. Da Oliven von Natur aus sandige, lehmhaltige Böden bevorzugen, freute es mich sehr, dass auch diese Pflanze durchweg in einer Lehm-Sand Mischung stand. Vielerorts erhält man Oliven in Einheitserde, schlimmstenfalls gar in Kokosfasern. Hier verhält es sich ähnlich wie bei Kakteen und Sukkulenten: am Besten zeitnah in passendes, lehmhaltiges Substrat umtopfen.

Für den Anfang reichten mir diese Maßnahmen. Besonders den Wurzelrückschnitt sollte man nicht all zu großzügig durchführen und sich stattdessen lieber stückweise herantasten. Eh eine geeignete Schale gefunden ist, wird sicherlich noch einige Zeit vergehen. Bis dahin steht die Olive ersteinmal wieder im ursprünglichen 12cm Kunststofftopf auf einer Drainageschicht.

Die Krone werde ich sicherlich noch nach Bedarf einkürzen und ausdünnen. Aktuelle Höhe nach Rückschnitt: 20cm (gemessen ab Substrat). Verzweigung beginnend in 6cm Höhe, Stämmchendurchmesser: 2cm

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6 Antworten zu “Trödelmarkt-Olive mit Bonsai-Potential

  1. Hallo Ben,
    gibt es ein empfehlenswertes Rezept für das lehmhaltige Substrat?
    Ich habe nämlich im Büro auch eine Olive, die umgetopft werden müßte. Momentan steht sie in irgendetwas, was weder richtige Erde noch Kokosfasern (wie ich sie kenne) zu sein scheint. In trockenem Zustand ist es jedenfalls nach einem sonnigen Wochenende sehr leicht.
    Viele Grüße
    Franziska

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    • Ein Rezept gibt es wohl nicht, da reicht sauberer Lehm aus dem Garten! ;) Nach Belieben mit etwas Mutterboden und Sand versetzen. Das kommt dem Boden am natürlichen Standort oftmals schon recht nah. Nachteil: es ist verdammt schwer und ein 30cm Tontopf mit Lehm und Baum wiegt locker 20kg und mehr. Allerdings sind Oliven keine Zimmerpflanzen. Ein Standort im Freien vom Frühjahr bis zum ersten Frost ist empfehlenswert.

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  2. Hallo Ben, Glückwunsch zu diesem Exemplar. Ich staune immer wieder, mit welcher Sicherheit und offensichtlichem Erfolg du neue Pflanzen erwirbst. Andererseits frage ich mich, wo du so viele Schützlinge in einer Wohnung unterbringst.
    Du hast das Olivenbäumchen sehr schön gestutzt. Ich bin da leider immer viel zu zimperlich. Meine hätte ich auch viel eher und kräftiger zurückschneiden sollen.
    Viel Erfolg und liebe Grüße
    Helga

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    • Hallo Helga,

      danke! :)

      Irgendwie bin ich noch immer nicht ganz mit der Form zufrieden, da wird noch einiges weg müssen, aber ich warte ersteinmal den Neuaustrieb ab.

      Oliven sind eigentlich sehr tolerant gegen Rückschnitt, sogar kahlgeschnittene Pflanzen treiben recht zuverlässig erneut aus und wachsen kompakter. Wenn man nicht gerade Früchte ernten will, kann man auch eigentlich immer zurückschneiden.

      Platz ist natürlich ein allgegenwärtiges Problem, aber bei schönen Pflanzen kann ich einfach nicht nein sagen. Mittlerweile sind hier vier Etagen (einschließlich Keller) in irgendeiner Art und Weise mit Pflanzen bestückt, aber zum Glück ist der Winter bald vorbei und es kommt alles wieder in den Garten.

      Ben

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