die „Rose von Jericho“ erwacht – ein Protokoll

Einen scheinbar toten Organismus zum Leben erwecken – Wer wollte das noch nicht machen? Mit diesem „untoten“ Gewächs hat man die Möglichkeit dazu..

Nachdem ich gestern rein theoretisch über Zombiepflanzen mit scheinbar übernatürlichen Fähigkeiten schrieb, folgen nun einige Informationen und eigene Eindrücke zur Reaktivierung einer solchen Pflanze. Als Paradebeispiel bot sich der bekannteste Vertreter der Auferstehungspflanzen an: Selaginella lepidophylla –  die „Rose von Jericho„.

Allgemeines zur „Rose von Jericho“

Die Pflanze, die man weitläufig als „Rose von Jericho“ erhält, ist ein grau-grünes, moosartiges Knäuel, das sich durch Zugabe von Wasser entfaltet und seine Farbe zu einem satten grün wechselt. Hierbei handelt es sich um Selaginella lepidophylla – die unechte Rose von Jericho. Einem Gewächs der Familie der Moosfarngewächse, welches in den Wüsten der USA und Mittelamerika heimisch ist. Selaginella lepidophylla hat die echte Rose von Jericho (Anastatica hierochuntica) weitgehend vom Markt verdrängt. Letztere findet man so gut wie gar nicht äußerst selten im Handel. Der Wiederbelebungseffekt beider Pflanzen ist allerdings ähnlich – wenn auch Anastatica hierochuntica nach der Reaktivierung keinen Stoffwechsel mehr betreibt und die Entfaltung einzig physikalischen Effekten geschuldet ist. Allerdings lässt sich der Vorgang beliebig oft wiederholen.

Durch ein Samenpaket, welches ich im September erhielt, fand auch eine solche (unechte) „Rose von Jericho“ den Weg zu mir. Im Beisein der Familie fand am Sonntag die Reaktivierung dieser Pflanze statt. Das Spektakel entpuppte sich aber als fades Warten.

Beim Auspacken machte das Gebilde einen hoffnungslosen Zustand. Es wirkte schlicht wie ein eingerolltes und verdörrtes Blatt einer Thuja. Der Vergleich mit trockenem Moos wäre allerdings auch passend. Fragil wie es war, zerbröselte es bereits in meinen Händen, so dass ich mit großer Vorsicht vorgehen musste.

Das Reaktivierung der Rose von Jericho (Selaginella lypidophylla) – ein Protokoll:

Sonntag – 14:15: Die Reaktivierung beginnt in einer Schüssel. Da ich auf der Packung nirgends Angaben zur benötigten Wassermenge finde, staue ich das Wasser (kalt) circa 1cm hoch in der Schüssel an und lege die Pflanze hinein.

Sonntag – 14:45: Nach knapp einer halben Stunde beginnen sich die ersten Zweige aufzurichten. Ein stetiger Prozess, der während der folgenden 45 Minuten im 15min Takt fotografiert wird.

Sonntag – 19:50: Knapp dreieinhalb Stunden später beginnt sich das Herz der Pflanze langsam zu öffnen und die ersten Triebe nehmen eine gesunde, sattgrüne Farbe an. Die volle Entfaltung ist längst nicht erreicht und so weicht die erwartete Spannung eher einem müden „aha“, mit der Hoffnung, am nächsten Morgen eine vollkommen reaktivierte „Rose von Jericho“ vorzufinden.

Montag – 12:00: Am Morgen des zweiten Tages der erste Kontrollblick. Die Pflanze hat deutlich an Durchmesser (~20cm) zugenommen und ihre Graufärbung ist überwiegend einem gesunden Grünton gewichen. Die ehemals spröden und fragilen Zweige sind nun zart und wirken lebendig. Lediglich ein kleinerer Teil der Pflanze, sowie die Triebspitzen, sind noch nicht reaktiviert. Die Pflanze verströmt einen Geruch, der an einen feuchten Waldboden in der Morgendämmerung erinnert. Meine Katze ist sehr interessiert.

Montag – 13:30: knapp 24 Stunden nach Beginn der Reaktivierung macht ein überwiegender Teil der Pflanze einen vitalen Eindruck. Auch die vorher noch grauen und spröden Spitzen haben ihren Zustand deutlich gewechselt.

der dritte Tag nach der Entfaltung

Mittwoch – 16:00: Nun, etwas mehr als drei Tage nach Beginn der Reaktivierung hat sich kaum mehr was an der Pflanze verändert. Die Spitzen blieben bis dato eingetrocknet und haben sich entgegen der Hoffnung nicht entfaltet. Ich glaube, man könnte nun behaupten, dass die Pflanze den Zenith ihrer Entfaltung überschritten hat.

Doch was geschieht nun?

Im Netz findet sich recht häufig die Information, die Pflanze maximal 10 Tage im Wasser zu belassen, da sonst Fäulnis auftreten kann. Da das Gewächs mit den Moosen verwandt ist, wird es schwierig sein, die Pflanze weiterhin zu kultivieren. Was aber möglich ist, ist die Pflanze nach einiger Zeit erneut zu trocknen, um sie in den Ursprungszustand zu versetzen. Allerdings gelingt die vollständige Reaktivierung meist nur einmal. Alle weiteren Reaktivierungen gelingen zwar augenscheinlich, doch sind dies lediglich physikalische Prozesse, die zum Aufquellen der Zellen führen und die Pflanze „vital“ erscheinen lassen.

Das Fazit fällt somit also eher ernüchternd aus. Die Rose von Jericho ist sicher eine Erfahrung, die man als Pflanzenfreund gemacht haben sollte, doch es bleibt ein fader Nachgeschmack. Kaufen würde ich mir dieses Gewächs nicht.

Exitus

Es ist Freitag, der fünfte Tag nach der Wiederbelebung der Rose von Jericho. Die Pflanze hat mittlerweile Schimmel angesetzt und fault daher. Die Gedanken zum trocknen erübrigen sich damit nun. Ein sehr kurzer Spaß. Ich bleibe lieber bei Pflanzen mit Wurzeln! ;)

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4 Antworten zu “die „Rose von Jericho“ erwacht – ein Protokoll

    • Das liegt leider irgendwie schon fast nah.. Irgendwie dachte ich auch schon an sowas. Welches Saatgut keimt schon zu 100%, da gibts diese Qualitätsstreuung sicherlich auch bei diesen Knollen.

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    • Interessant ist es allemal, keine Frage. Aber was die Optik angeht.. ich finde, das liegt im Auge des Betrachters. Würde mir so ein Gewächs selber nicht kaufen.

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