Kiwi – Actinidia deliciosa | Anzucht und Pflege

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Obwohl Kiwis häufig als neuseeländische Nationalfrucht gelten, liegt ihre eigentliche Heimat in China. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der chinesische Strahlengriffel in Neuseeland angebaut und bekam dort seinen heute geläufigen Namen. Der Begriff „Kiwi“ wurde aus marketingtechnischen Gründen gewählt und ist eine Anlehnung an den Neuseeländischen Wappenvogel Kiwi, dessen Körperbau entfernt an die Frucht des chinesischen Strahlengriffels erinnert. Der Züchter Hayward Wright züchtete schließlich die Sorte „Hayward“, welche auch noch heute die kommerziell erfolgreichste Kiwisorte ist und mittlerweile weltweit angebaut wird.

Neben der grünen Kiwi existiert mit der gelben Kiwi eine weitere Kulturform, die allerdings als Actinidia chinensis eine eigenständige Art darstellt. Die Vermehrung von Kiwis ist auch hierzulande möglich und führt recht schnell zu interessanten Ergebnissen.

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junge Kiwipflanze, 3 Monate nach der Keimung. (Oktober 2012)


Samen

Die Gewinnung von Kiwisamen ist denkbar einfach. Schneidet man eine Kiwi in zwei Hälften, sind es die Samen, die als winzige schwarze Punkte bereits ins Auge fallen und das typische Bild einer aufgeschnittenen Kiwi ausmachen. Die Kunst besteht darin, die Samen aus dem klebrigen Fruchtfleisch zu lösen. Hierbei ist Kreativität gefragt, denn viele Wege führen zum Ziel.

Am einfachsten ist es  jeweils kleine Portionen des Fruchtfleisches auf Küchenkrepp zu verteilen und mit einem anderen Blatt auszudrücken. Im Idealfalle lassen sich so Samen grob vom Fruchtfleisch trennen. Diese Prozedur ist solange mit jeweils neuem Küchenpapier zu wiederholen, bis der Fruchtfleischanteil zwischen den Samen immer geringer wird. Auch einweichen hat sich bewährt, um Fruchtfleisch von Samen zu trennen. Eine kurze Wäsche der Samen ist in jedem Fall zu empfehlen, um Fruchtfleischreste und keimungshemmende Fruchtsäuren zu entfernen. Nach einer kurzen Trocknungszeit auf Küchenpapier können die Samen direkt gesät werden.


Aussaat

Die Aussaat der Kiwisämlinge kann ganzjährig erfolgen allerdings benötigen Kiwis viel Licht und neigen recht schnell zum Geilwuchs. Von daher ist es ratsam, die Aussat in den Frühling/Frühsommer zu legen, damit die jungen Sämlinge mit einem ausreichenden Angebot an Sonnenlicht aufwachsen können.

Nach entnehmen aus der Frucht sollten die Kiwisamen so schnell wie Möglich ausgesät werden. Hierzu werden sie Samen lediglich auf feuchte Anzuchterde gelegt und leicht angedrückt, um einen besseren Kontakt mit dem Substrat zu erhalten. Als Aussaatgefäß kann eine PET-Schale (Erdbeerschale, Pilzschale etc..) im Zimmergewächshaus gute Dienste erweisen. Da Kiwis Lichtkeimer sind und demnach Licht zum keimen benötigen, ist darauf zu achten, dass die Samen nicht mit Erde bedeckt werden.

Hohe Luftfeuchtigkeit und warme Temperaturen begünstigen eine zuverlässige Keimung. Hat man kein Zimmergewächshaus zur Verfügung, reicht eine Klarsichtfolie, welche das Substrat überdeckt. Ob Folie oder Zimmergewächshaus: um Schimmelbildung zu vermeiden, sollte alle zwei Tage für einige Stunden gelüftet werden. Das Anzuchtsubstrat darf natürlich nicht austrocknen. Gewässert wird bei Bedarf. Eine Sprühflasche erweist hierbei gute Dienste, um die filigranen Samen nicht wegzuspülen.

Da feuchte Erde nahezu magnetisch auf Trauermücken wirkt, ist es ratsam, Gelbtafeln ins Anzuchtsubstrat zu stellen. Hierbei handelt es sich um umweltfreundliche Klebefallen, an denen die Schadinsekten kleben bleiben, eh sie weiteren Schaden anrichten. Andernfalls kann es vorkommen, dass sich die Larven der Trauermücken recht effektiv über die Samen hermachen und jegliche Keimquote auf niedrigstem Niveau halten.

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Kiwisamen während der Keimung im Juli 2012.


Keimung

Die Keimdauer ist recht unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab. Unter Idealbedingungen mit hoher Luftfeuchtigkeit, mindestens 25°C Raumteperatur und guten Lichtverhältnissen keimen die Samen im Durchschnitt nach 1-3 Wochen. Je frischer das Saatgut während der Saat war, desto höher wird die Keimquote sein. Bei Saatgut welches innerhalb einer Woche nach Entnahme aus der Frucht gesät wurde, kann man davon ausgehen, dass die Keimquote bei nahezu 100% liegen wird.

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Kiwisämlinge, 3 Wochen nach der Keimung.

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Kiwisämlinge, 6 Wochen nach der Keimung, kurz vorm Pikieren.

Während der ersten Tage wachsen die Sämlinge nur sehr gemächlich. Erst mit Austrieb des ersten echten Blattpaares nach circa einer Woche, legen die Pflanzen im Tempo zu.  Die Sämlinge sollten auch weiterhin unter Glas gehalten werden. Damit der Platz in der Anzuchtschale nicht all zu eng wird, bietet es sich an, schwache Pflanzen zu entfernen, um dominanteren Sämlingen mehr Platz zu bieten. Sobald sich das dritte Blattpaar gebildet hat, ist es an der Zeit, die Sämlinge zu pikieren. Mit entsprechendem Pikierwerkzeug oder einem Teelöffel lassen sich die Pflanzen recht einfach ausgraben und separieren. Wurzeln sollten hierbei nicht beschädigt werden, doch stecken die Kiwisämlinge leichte Verletzungen, welche sich meist eh kaum vermeiden lassen, recht gnädig weg.

Pro Sämling sollte mindestens ein 8cm Topf zur Verfügung stehen. Als Substrat eignet sich Einheitsblumenerde.

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frisch pikierte Kiwisämlinge im August 2012.


Keimzeiten und Saatgutstatistiken

Pflege


Standort, Gießen, Substrat, Düngen

Da die Kiwi in unseren Breiten nicht winterhart ist, bietet es sich an, die Pflanze als Kübelpflanze zu halten. Nach den letzten Nachtfrösten kann der Kübel wieder ins Freie gestellt werden und verbleibt dort bis zum ersten Frost.
Die Kiwi ist eine Kletterpflanze benötigt ein Rankgerüst

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Fruchtbildung

Da Kiwis zweihausig sind ist für eine erfolgreiche Fruchtbildung eine männliche, sowie mindestens eine weibliche Pflanze erforderlich.

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Überwinterung

Kiwis sind erst ab USDA-Zone 7 Winterfest. In kälteren Gegenden (was für einen Großteil Deutschlands zutrifft) muss die Pflanze ins Haus geräumt werden und entsprechend frostfrei lagern. Da sie während der Überwinterung die Blätter abwirft kann sie gern in einem dunklen Kellerraum stehen. Bei kleineren oder aber auch jungen Pflanzen kann die Überwinterung auch im Wohnraum erfolgen. Nach Abwurf der Blätter bilden sich allerdings recht schnell wieder neue Blätter. Ein entsprechend heller Raum ist daher von Nöten, um Geilwuchs zu vermeiden. Zu warme Räume begünstigen die Ansiedlung von Spinnmilben, welche meist nur schwer zu beseitigen sind.

Sobald die Nächte wieder milder werden und Nachtfröste nicht mehr zu erwarten sind, kann die Pflanze wieder ins Freie gestellt werden.

Trockene Heizungsluft und warme Temperaturen sind ein Nährboden für Schädlinge wie Schildläuse und Spinnmilben. Vorbeugend kann die Pflanze regelmäßig abgebraust werden.

Zusammenfassung

Zeitpunkt der Aussaat: Frühling/Frühsommer
Dauer der Keimung: 1-3 Wochen
Standort während der Keimung: unter Glas (warm, feucht)
Substrat lockere Anzuchterde
gießen: leicht feucht halten
Standort nach Keimung: hell/sonnig, warm. Im Sommer draußen

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Weitere Artikel und Bilder zum Thema Kiwi sind im Blog unter dem Stichwort Kiwi zu finden.

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3 Antworten zu “Kiwi – Actinidia deliciosa | Anzucht und Pflege

  1. Zur Geschlechterbestimmung bleibt bei Actinidia chinensis nur abwarten. Vom Habitus kann man vor der Blüte nicht unterscheiden.
    Und Super, nach 25 Jahren wildwucherndem, kaum im Zaum zu haltenden Freilandwildwuchs hat meine in diesem Jahr das erste mal ausgiebig geblüht (Mitte Juni) und 8 Fruchtansätze behalten. Die größte ist heute 2 Zentimeter lang.
    Sämling, nichts selbstfruchtbar gekauftes und im Umkreis von 1Km garantiert kein Bestäuber für mein Weibchen.
    Südbrandenburg und geschützte Südlage, das „Pflänzchen“ hat schon Kahlfröste von -20° ohne nennenswerte Frostschäden überlebt.

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  2. Ich besitze schon über 15 Jahre ein Kiwi-Paar im Garten -im Spessart. Sie überwintern hier problemlos seit Jahren draußen.
    Danke für diese klasse Erläuterung
    Jetzt wollte ich mich um Nachzucht kümmern .
    Vielen Danke für den Guten Wegweiser. Wann kann man die Geschlechter frühstens erkennen -muss man bis zur Blütezeit warten?
    Wie kann man davor Paarungen bereits zusammenstellen ….
    danke

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