Bloggen und Social Media – wirklich ein Dreamteam?

Heute möchte ich ein Thema ansprechen, das im Grunde rein gar nichts mit der Thematik dieses Blogs zu tun hat, dennoch aber sehr wohl mit dem Bloggen ansich: die Verpaarung von Blogs und Social Media, einer Kombination, die heutzutage scheinbar gar nicht mehr wegzudenken ist.

socialmedia

Doch der Reihe nach. Bloggen – Was genau ist das eigentlich? Das Wort bloggen, oder besser gesagt das passende Substantiv Blog, ist ein Kofferwort und leitet sich vom Wörtchen Weblog ab. Schaut man sich dieses Wort an, erkennt man die Worte Web und Log – also ein Weblogbuch, oder nichts anderes als ein Internettagebuch. Für regelmäßige Blogleser und Webveteranen ist dies natürlich ein alter Hut.

Blogs sind im Web mittlerweile allgegenwärtig. Zwar gibt es sie noch, die klassischen, rein persönlichen Blogs, auf denen die Autoren ihr Tagesgeschehen, wie zu Beginn der Blogwelle, dokumentieren, doch ist der Trend vom klassischen Onlinetagebuch mittlerweile in Richtung Themenblog gewandert. Es sind Blogs, wie eben Vegetation daheim, die sich auf ein Genre spezialisiert haben und dementsprechend meist an eine sehr konkrete Zielgruppe gerichtet sind.

Reichte es früher aus, einen Blog zu betreiben und mit Lesern direkt auf dem Blog per Kommentarfunktion zu kommunizieren, gehört es nun zum guten Ton, mit seinem Blog in möglichst vielen Social Networks vertreten zu sein. Die heutigen sozialen Netzwerke haben dutzende millionen von Nutzern und ständig sprießen neue Startups aus dem Boden, die – glaubt man den Betreibern – alle besser und innovativer sind, als die bereits bestehenden Netzwerke.

Soziale Netzwerke sind zu gesellschaftlichen Knotenpunkten in der virtuellen Welt geworden. Hier vernetzt sich jeder mit jedem – privat wie geschäftlich, Inhalte verbreiten sich wie Lauffeuer und manch einer erlangte  durch virale Verbreitung durchaus rentable Aufmerksamkeit, die ohne Social Media gar nicht zustande gekommen wäre. Kurzum: Soziale Netzwerke sind der globale Umschlagplatz für Kommunikation und Informationen. Und jeder hofft ein Stück des Aufmerksamkeitskuchens zu erhaschen – auch wenn es nur die übrig gebliebenen Krümel an der Backform sind.

Schaut man sich Blogs an, findet man – bis auf die konsequenten Verweigerer – kaum noch einen, der nicht mit den berühmt-berüchtigten Buttons zum Teilen von Inhalten auskommt.

Wer gesehen werden möchte, braucht Marketing. Social Media ist Marketing, Social Media ist eine Verlockung. Da fällt es einem leicht, nachzuvollziehen, dass die Präsenz in sozialen Netzen vor allem eine Präsentation seiner selbst oder seiner Ideen – in dem Falle seiner Webseite – ist. Durch virtuelle Vernetzung werden Kontakte geknüpft und Informationen getauscht. Man ist immer Up-to-date und kann seine geistigen Ergüsse einer Vielzahl von potentiellen Interessierten präsentieren und bietet bereits vorhandenen Interessierten – in dem Falle Lesern – eine Möglichkeit der Kommunikation, die weit über die Kommentarfunktion eines Blogs hinausgeht.

Salopp gesagt: „Social Media ist super trendy.“, „Irgendwas scheint irgendwas anderes zu erleichtern.“, „Man kann seine Zielgruppe ohne großen Einsatz verfielfachen.“, „Alle machen mit, also muss ich dort mit meiner Seite auch angemeldet sein.“, „Im Grunde agieren wir bei diesem Thema doch alle wie Lemminge.“ – Halt, letzteres sollte nicht in die Gruppe der Monologe, beschreibt das Phänomen allerdings mehr als treffend.

Als ich diese Seite startete, hielt ich nicht viel von sozialen Netzen. Zwar hatte ich irgendwo einen halbtoten Twitteraccount herumliegen, kannte den damals noch halbwegs überschaubaren Markt an sozialen Netzen aufgrund meiner Internetaffinität, und nutzte Facebook bis dato nur, um alle paar Wochen Freundschaftsanfragen von völlig unbekannten Menschen abzulehnen.

Die ersten ernsten Gedanken, diesen Netzwerken einen Sinn zu entlocken, machte ich mir, als man mir mit wachsender Popularität dieser Seite immer häufiger Emails mit spezifischen Fragen zu Themen schickte, die eigentlich auch direkt unter den Blogbeiträgen hätten geklärt werden können. Die Kommentarfunktion war anscheinend bei einigen Lesers unbeliebt und das ständige Email-PingPong widersprach meiner Auffassung der Kommunikation. Nicht zuletzt warf auch diese Exclusivität der Problemlösungen bei mir Fragen auf. Wenn ich mir die Mühe machte und auf Fragen detailiert einging, dann sollten auch andere Leser davon profitieren können. Die Lösung für dieses Problem war einfach: ein Kompromiss musste her und dieser sollte eine eigene Facebookseite für diesen Blog sein.

Per Facebook boten sich plötzlich so viele neue Wege, um mit Lesern in Kontakt zu treten: Einfachere Kommunikation durch Instantmessaging und Kommentare, die bereits im Augenblick des Absendens veröffentlicht waren und mit Bildern gespickt werden konnten. Zudem wurden alle Blogbeiträge direkt und automatisch auf Facebook veröffentlicht – direktes Feedback der hoffentlich wachsenden Anzahl von Fans inklusive. Denn schließlich war mein Glaube: Fans = Leser und Leser = Fans. Soviel in der Theorie.

Den ersten Dämpfer erlebte ich, als ich lange Zeit vergebens auf die Ausschöpfung dieser neuen Kommunikationswege wartete. Zwar Fanden sich immer mal wieder Leute, die der Facebookseite ihren „Like“ verpassten, doch blieb die Kommunikation aus. Fleißig postete ich Blogartikel auf der neuen Facebookseite und beobachtete analog dazu immer wieder die Zugriffsstatistiken des Blogs. Zugriffe via Facebook? Fehlanzeige! Es schien sich absolut niemand für die Inhalte der Seite zu interessieren, die all die so genannten „Fans“ just mit „Gefällt mir“ markierten, geschweige denn erhielt ich Feedback zu meinen geposteten Inhalten. Zudem verirrte sich auch niemand von den damaligen Stammlesern auf die Facebookseite. Der Traum von einer interaktiven Kommunikationsplattform zwischen Lesern und mir entpuppte sich als Reinfall.

Enttäuschung und Frust wuchsen, so dass ich meine Fühler ausstreckte und Alternativen ergründete. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass diese Kommunikationsflaute an Facebook liegen musste. Im Laufe der Zeit begann ich diesen Blog in weiteren Netzwerken anzumelden. Neben den Klassikern Facebook und Twitter folgten schließlich Google+, Pinterest und Tumblr. Mittlerweile hatte ich Blut geleckt und entdeckte einen seltsamen Profilierungsdrang in mir, der mir sagte, jede Menge Profile in möglichst vielen Netzwerken für diese Seite einzurichten – auch wenn ich von diesen Netzen vorher nie hörte, geschweige denn ihren Sinn sah oder sie jemals benutzte. Aber warum nicht? Andere Blogs waren schließlich auch mit social Media Buttons tapeziert, irgendeinen Sinn und Zweck sollten diese Dinger schon haben – und irgendwo musste schließlich das Netzwerk lauern, auf dem die gewünschte Kommunikation entstehen würde!

Wieso ich das Thema Blogs und Social Media überhaupt anschneide ist einfach zu erklären: im Posteingang entdeckte ich heute eine Email von Pinterest. Nichts besonderes, doch erinnerte ich mich, dass ich dort vor langer Zeit einen Account für diese Seite registrierte. Impliziert: dieser Account geriet bei mir in Vergessenheit und ein Großteil der Seitenbesucher war sich nichteinmal der Existenz dieses Accounts bewusst. Selbiges trifft auch auf andere Accounts in weiteren Sozialen Netzwerken zu, die ich im Laufe der Zeit für diesen Blog registrierte. Zwar sind alle Accounts durch Social Media Icons auf dieser Seite zugänglich, doch sind diese Icons im Grunde nichts weiter als Platzhalter, deren Existenzberechtigung erst noch erdacht werden muss.

Es ist nunmal nicht alles Gold, was glänzt. Zu Beginn dieses Blogs ließ ich mich in einem Wahn der Euphorie vom Social Media Hype anstecken und hatte irgendwie die seltsame Ansicht, dass ein Blog Social Media braucht, um eine Zielgruppe anzusprechen. Bullshit! Nahezu alle Profile, die ich für diesen Blog registrierte, haben sich als überflüssiger Ballast herausgestellt, der zwar existiert aber von niemandem so recht wahrgenommen werden will. Die Antwort auf die Frage, ob man unbedingt in vielen Social Networks vertreten sein muss, kann ich guten Gewissens mit einem „nein“ beantworten. Zwar sind Webgurus, SEO-Götter und Socialmediaexperten da anderer Meinung, doch muss man hier nach seinem eigenen Bedarf handeln.

Mittlerweile verwalte ich aktiv nur noch die Profile auf Facebook und Twitter. Eben die Profile, die am längsten existieren. Wobei ich auch hier immer noch das Phänomen feststellen muss, dass mir auch Anfangs schon die Hoffnung auf eine zentrale Kommunikationsbasis zu den Lesern nahm. Via Facebook sind es zwar nun 85 Leute, die Vegetation daheim mit „gefällt mir“ markierten, doch zeigen die Zugriffsstatistiken auch heute noch, dass wahrscheinlich 90% davon sich nicht einmal der Existenz dieser Seite bewusst sind. Zwar gibt es nun einen kleinen Stamm an Leuten, die die Bereitschaft zur Interaktion zeigen, doch ist die überwiegende Anzahl schlicht desinteressiert. Ein ähnliches Phänomen tritt seit Anbeginn quasi direkt auf dem Blog auf, wenn man sich vor Augen hält, dass von den hunderten Besuchern am Tag meist nicht einmal ein einziger sein Feedback hinterlässt. Vor drei Jahren hätte ich dies noch als Dämpfer empfunden, mittlerweile weiß ich mit den Gepflogenheiten umzugehen und empfehle jeden, sich dadurch nicht entmutigen zu lassen.

Social Media kann funktionieren, muss aber nicht. Zwar habe ich noch immer nicht aufgegeben, meine angeblichen Fans auf Twitter und Facebook aus der Reserve zu locken, doch was einfach nicht sein soll, kann man auch nicht erzwingen. Wieviel Enthusiasmus man in Social Media steckt, muss jeder für sich selbst abklären. Man sollte nur nicht mit zu hohen Erwartungen an die Sache herangehen. Letztendlich kommt es doch nur auf die Inhalte an. Wer da entsprechend punkten kann, wird meist weiterempfohlen – OHNE dazu selbst in sozialen Netzwerken aktiv zu werden.

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3 Antworten zu “Bloggen und Social Media – wirklich ein Dreamteam?

  1. Mit dem Problem hat jede Seite zu tun. Als Faustregel gilt, dass nur 10 % der Leute, die die jeweilige Seite besuchen, auch mit dieser interagieren. Der Rest liest halt nur. Und dann aber auch diese 10 % wiederum zum schreiben zu bringen, ist die wahre Kunst.

    Dann ist es teils auch von der Seite abhängig, weshalb und woher du deine Leser hast. Bei mir kommen viele wegen einem Problem, lesen vielleicht nochmal einen anderen Artikel und das wars. Diese Leute dann dazu bekommen, auf der Seite zu bleiben und auch noch was zu schreiben, ist extrem schwer. Zumal meine Seite mehr ein Magazin ist, das erschwert es nochmal mehr.

    Dann kommt auch die andere Sache, dass Social Media Arbeit bedeutet: Bloßes automatisches posten der Beiträge vom Blog reicht nicht. Da muss mehr dahinter stecken. Aktionen, viele Bilder und viele weitere Interaktion braucht man, um den jeweiligen Social-Media-Kanal mit Leben zu füllen.

    Ich hab da auch ewig rumprobiert und sag mir jetzt: Facebook, das reicht. Man kann nicht auf vielen verschiedenen Hochzeiten tanzen und sollte lieber dafür ein oder zwei Kanäle richtig machen.

    Denn das Problem beim Gartenbau ist zum Beispiel auch, dass viele nicht internetaffin sind, auch wegen dem Alter in diesem Bereich. Die fangen mit Twitter oder gar Pinterest nichts an. Daher konzentriere ich mich auf Facebook, da dort auch Menschen zu finden sind, die älter und nicht so internetaffin sind und das ist die Mehrheit der Leute, die sich mit Pflanzen auskennen.

    Ist also ein sehr komplexes und auch kompliziertes Thema. Daher: Nicht aufgeben. :)

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  2. Hallo Ben,

    ich gehöre zu den Facebook-Fans deiner Seite, komme aber selten über Facebook her, sondern über die Blogroll in meinem Gartenblog.

    Gut zu wissen, dass die anderen Netzwerke jetzt auch nicht DEN Durchbruch brachten. Ich habe seit kurzem eine Facebook-Seite und wollte bald mal meinen Twitter-Account entstauben. Aber wenn das gar nichts bringt… Tumblr und Pintertest sind mir irgendwie suspelt, bei der Pintertest erschließt sich mir überhaupt kein Sinn irgendwie.

    LG,
    Amèlie

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    • Mittlerweile werden all die Dinge einfach überbewertet, wie ich finde. Die Faszination, die von all den Dingen ausgehen soll, erschließt sich mir teils auch nicht. Auch wenn es sicherlich Netzwerke gibt, die durchaus ihre Daseinsberechtigung haben. Via Twitter hole ich mir z.B. mittlerweile oft Schlagzeilen und Eilmeldungen von Zeitungen und Nachrichtenagenturen. Dafür ist es wirklich zu gebrauchen. Nebenbei habe ich meinen Blog damit verlinkt, aber das ist auch eher zweitrangig.

      Ben

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