Zwischenprüfung – oder: Warum es so ist, wie es ist..

Dieser Blog gibt so ziemlich mein komplettes Interessenfeld frei. Dass Pflanzen dabei eine absolut große Rolle spielen, ist natürlich sofort erkennbar. Erst ziemlich spät konnte ich jedoch den Weg gehen und mein Hobby zum Beruf  machen. Nach einem gescheiterten Anfang im GaLaBau anno 2012 fasse ich nun seit 1 1/2 Jahren im Zierpflanzenbau Fuß und habe einen ziemlich eng gesteckten Fahrplan für die nächsten Jahre vor der Brust.

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Es ist schon ziemlich ungewöhnlich, mit 29 als Azubi im ersten Lehrjahr zu sitzen und nach zehn Jahren erneut die Schulbank zu drücken. Mittlerweile bin ich 31 Jahre alt und hatte heute meine schriftliche Zwischenprüfung.

Eine ZP ist sicherlich eine völlig banale Sache, die für die meisten (einige meiner Mitazubis eingeschlossen), nur eine eher unbedeutende Last ist, deren Ergebnis kaum an Relevanz besitzt – bis zur wichtigen Abschlussprüfung ist es ja noch ein Weilchen.

Für mich bedeutete die heutige Zwischenprüfung jedoch ein erster Etappensieg, auch wenn ich das Ergebnis erst am 6. Dezember erfahren werde.

Warum Etappensieg?

Um die Frage zu beantworten, müsste ich sehr langatmig ausholen, ich versuche jedoch die Thematik recht kurz zu fassen: Nachdem ich mit 19 Jahren die Schule, mein gewohntes Umfeld, verließ, plagen mich Probleme, die mich lange Zeit an der Anteilnahme an geregelten Tagesabläufen hinderten. Durch mittlerweile jahrelangen Konsum von Antidepressiva und einer Therapie – nicht zuletzt aber auch durch die Kraft meiner Freundin – gelang es mir schließlich, Anfang 2015 in einem Pflanzenzuchtbetrieb anzufangen, in dem ich im selben Jahr auch meine Ausbildung zum Zierpflanzengärtner begann.

Erst im September dieses Jahres bekam ich schließlich eine Diagnose, die für mich eine Erleuchtung ungeahnten Ausmaßes darstellte: Asperger-Syndrom – eine autismusspektrum Störung. Ich bin ein Autist. Ein Mensch, der eben anders tickt, als gefühlte 100% seines Umfeldes und Probleme hat, die für Nichtbetroffene schwer zu verstehen sind. Für mich ist es normal, anders zu sein; kein Interesse an sozialer Interaktion zu besitzen, andere Menschen oftmals als banal zu empfinden und sich durch kleinste äußere Einflüsse völlig aus der Bahn werfen zu lassen.

asperger_diagose

Asperger war eine Vermutung, die ich zwar lange Zeit schon hegte, jedoch immer verleugnete. Erst der Gang zur Fachklinik brachte schließlich die Gewissheit. Für mich ist die Diagnose eine Befreiung. Keine Rechtfertigung für die verschwendeten Jahre, jedoch eine Erklärung. Eine Erklärung, die auch andere Menschen immerhin halbwegs akzeptieren und die Vorurteile gegen jemanden, der in seinem Leben bislang von jeglicher gesellschaftlicher Konvention abwich, zumindest ansatzweise eindämmt.

Diese Diagnose ist allerdings auch mein Mittelfinger, den ich allen entgegenstrecke, die mich nur all zu oft belächelt und verurteilt haben, ohne auch nur ansatzweise das Interesse zu zeigen, hinter meine Fassade zu schauen. Ein Appell an alle, die mir jeglichen Mut nahmen und an mir zweifelten.

Das ist er also, der Grund, weshalb ich nun mit 31 Jahren immer noch in der Ausbildung bin und heute meine Zwischenprüfung ablegte.

Als ich damals die Schule verließ, verließ mich auch die Motivation und der Ehrgeiz. Lange Zeit dachte ich, diese Dinge nie wieder zu finden. Doch trotz meiner Eigenarten und kleinerer Probleme mit dem Arbeitsalltag, gehe ich in dieser Ausbildung jedoch vollkommen auf. Es ist weniger der Beruf ansich, als meine Ziele, die mich motivieren, die mich dazu zwingen, meine Maske aufzusetzen und zumindest so zu tun, als könnte ich mit der sozialen Interaktion im Arbeitsumfeld umgehen.

Ein Schnitt von 1,14 auf dem Jahreszeugnis der Berufsschule, 96/100, sowie 100/100 Punkten in den Lehrgängen sprechen für sich – und letztendlich für mich als ehrgeizigen Menschen, der seine Ziele aufrecht verfolgt!

Mit der heutigen Zwischenprüfung habe ich die Messlatte sehr hoch gesteckt und könnte mir ehrlich gesagt keinen schlechteren Schnitt, als die bisherigen verzeihen. Nicht zuletzt auch wegen meines engen Zeitplanes. Die Ausbildung ist für mich nur eine Stufe auf einer Treppe, auf deren Anfang ich mich noch befinde. Ich gebe alles daran, diese Ausbildung schnellstmöglich zu absolvieren, sprich zu verkürzen. Was dann ansteht, ist eine Sache, die mich sicherlich mehr reizt und fordert: ein Gartenbaustudium.

Ich freue mich auf meine Zukunft.

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Nachtrag (06.12.2016):

Mit der Zwischenprüfung konnte ich meinen Ansprüchen gerecht werden und meinen Einserschnitt souverän halten.

Mein Gesamtergebnis der ZP sieht nun wie folgt aus:

  • schriftlicher Teil: 1,3
  • praktischer Teil: 1,0
  • Pflanzenwissen: 1,0
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8 Antworten zu “Zwischenprüfung – oder: Warum es so ist, wie es ist..

  1. Ich folge dem Blog nun seit etwa einem 3/4 Jahr und bin immer wieder begeistert von den Beschreibungen und Ideen. Ich wünsche Dir, dass alle Deine Wünsche in Erfüllung gehen und Du Deine Ziele erreichst. Und bitte weiter bloggen!!!!

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