Alpenveilchen vermehren: Hobbygärtner vs. Zierpflanzengärtnerei

Mitte Mai schnitt ich in einem Artikel das Thema der kommerziellen Pflanzenproduktion an. Als Pflanzenfreund, der sich in seiner Freizeit, wie auch beruflich mit der Aufzucht von Pflanzen befasst, bin ich ganz froh, die Kultivierung aus beiden Perspektiven betrachten zu können. Die Kultivierung auf Hobbygärtnerniveau trifft auf professionelle, kommerzielle Pflanzenvermehrung – oder so in der Art.

In dem eben erwähnten Artikel beschrieb ich ein Kultivierungsprojekt anhand von Jungpflanzen, wie sie auch im Betrieb zu tausenden verwendet werden – jedoch nur mit Mitteln, wie man sie als Hobbygärtner zur Verfügung hat.

Die Pflanzen waren quasi Überschuss, der während des Topfens aus der Maschine fiel und im Müll gelandet wäre, wenn sich ein Botanikwohltäter, der den Garten gar nicht voll genug stellen kann, sich ihnen nicht angenommen hätte.

Warum also nicht die Jungpflanzen selber großziehen und das Ganze als kleine Challenge sehen? Eine kleine Challenge gegen die Methoden der Profis? Sollte doch nicht soo schwer sein, wenn auf den grünen für gewöhnlich Daumen verlass ist, dachte ich mir. Also ran an die Jungpflanzen – bei denen es sich übrigens um Alpenveilchen handelte – und los!

Seit Mitte Mai sind einige Monate vergangen. Zu meinem Erstaunen waren die Pflanzen – in der Firma, wie auch daheim – sehr lange Zeit auf relativ ähnlichem Niveau. Im Folientreibhaus auf der Terrasse konnte ich den Alpenveilchen zudem ein ähnliches Klima bereitstellen, wie es ihre Kumpels im Betrieb hatten. Sicherlich ein Faktor, der mich zu dem Zeitpunkt gar nicht mal so schlecht aussehen ließ. Schlecht aussehen? Was rede ich hier. Mittlerweile blühen meine Pflanzen; Die erste steht in voller Pracht, während aus den anderen Pflanzen die Knospen vorwitzig emporluken. Zudem sind sie alle kompakt gewachsen und auch die Knollen haben ordentlich an Masse zugelegt.

Gar nicht mal so übel, oder?

Gar nicht mal so übel“ wäre das Ergebnis sicher, wenn der Artikel hier endete. Doch bringt es nichts, sich der Realität zu verschließen. Ihr wollt sehen, wie die Pflanzen, die unter professionellen Bedingungen wuchsen, nun aussehen?

Betrachtet man das Volumen der Pflanzen und die Masse an Blüten, fällt es nicht schwer, sich vorzustellen, welches Farbenmeer sich mir auf der Arbeit bietet, wenn zigtausende davon zur selben Zeit blühen (von dem Duft der Pflanzen ganz zu schweigen). Eigentlich müsste ich nach diesem Satz ein entsprechendes Foto einbringen – habe aber keines. Doch als ehrliche Haut, ist auf meine Worte – so denke ich – guter Verlaß.. Blütenmeer! ;)

Natürlich war mir von vornerein klar, dass die Pflanzen unter eher bescheidenen Bedingungen, wie man sie daheim bieten kann, ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr mit ihren Artgenossen im Betrieb mithalten können. Da helfen weder Dünger, noch Phytohormone, die ich benutzte, als das Wachstum der Pflanzen langsam aber sicher stagnierte. Die Kultur unter professionellen Bedingungen läuft in einem komplett anderen Rahmen ab. Schon die Automatisierung der Klimatisierung ist ein wichtiger Faktor im Leben der Jungpflanzen. Das konnte auch mein leidlicher Versuch, die Pflanzen mit Auxinen zu pushen, gar nicht kompensieren, was die Pflanzen in den wenigen Monaten der Kultur im Betrieb an Starthilfe erhalten. Klar, dass die Ergebnisse in andere Richtungen führen.

Allerdings bin ich dennoch zufrieden mit dem Ergebnis. Mein persönliches Ziel war es, meine Pflanzen zum blühen zu bringen und zum Zeitpunkt der Blüte einen Vergleich beider Ergebnisse zu zeigen.

Und wenn Ihr das nächste Mal ein Alpenveilchen im Baumarkt (oder wo auch immer) kauft, denkt doch mal drüber nach, wie die Pflanze wohl aussehen würde, wenn sie unter natürlichen Bedingungen gewachsen wäre. Würdet Ihr sie dann noch kaufen? In den meisten Fällen sicherlich nicht.

ps. im Artikel vom 16. Mai schrieb ich auch von Zierpaprika, die ebenfalls in dieses Experiment einflossen. Wie sich die Pflanzen entwickelt haben, zeige ich in einem folgenden Beitrag.

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