Pflanzen en miniature: kommerzielle Pflanzenproduktion via Jungpflanzen

Für den Pflanzenkauf muss man schon längst nicht mehr eine Gärtnerei besuchen und sich durch Gewächshäuser schlängeln. Der Verkauf erfolgt heutzutage obligatorisch über den Einzelhandel, oftmals im Supermarkt. Pflanzen sind Massenware: schön anzusehen und günstig zu ersetzen. Gehen sie ein, wird das nächste 99cent-Alpenveilchen im Discounter mitgenommen. Doch die Produktion dieser Massen ist mit viel Aufwand verbunden und trotz fortschreitender Automatisierung eine aufwändige Angelegenheit.

Die Züchtung einer neuen Sorte allein ist schon ein komplexer Prozess, der über Jahre anhält. Beginnend mit der Kreuzung von Pflanzen mit speziellen Eigenschaften, die explizit auf die Nachkommen übertragen werden sollen, folgt die langwierige Selektion der Sämlinge, das Kultivieren dieser und die Produktion von neuen Pflanzengenerationen, in denen sich die Schritte wiederholen, bis die Pflanze mit den gewünschten Eigenschaften sich schließlich aus der Masse hervorhebt und schließlich als Grundlage für eine Vielzahl von Nachkommen dient. (siehe Artikel: „die Entstehung einer neuen Sorte„)

Im Zierpflanzenbau geschieht die Produktion der Kulturen daher oftmals über Fremdgenetik, also Pflanzenmaterial, das in Form von sortenreinen Jungpflanzen angeschafft und weiterkultiviert wird. Diese Methode sichert die Qualität und Sortenreinheit der Jungpflanzen, die aus spezialisierten Zuchtbetrieben kommen und erspart dem Pflanzenproduzenten aufwändige Zucht, Vermehrung und Vorkultur und überspringt somit einen langwierigen Teil der Wertschöpfungskette der Pflanzenproduktion.

Während man in der Hobbyzucht und -kultur – je nach Enthusiasmuslevel und Platzmöglichkeiten – vielleicht ein paar Dutzend Pflanzen pikiert und eintopft, redet man im Erwerbsgartenbau allerdings von tausenden – oftmals gar zigtausenden Pflanzen. Um hierbei wirtschaftlich und effektiv zu bleiben kann in diesem Umfang nur noch maschinell, bzw. semi-maschinell, gearbeitet werden. Das Befüllen der Töpfe geschicht meist voll-automatisch. Idealerweise stanzt die Topfmaschine auch noch ein passendes Loch für die Jungpflanze in die Mitte des Substrates und schickt den so präparierten Topf via Fließband an das Personal, das die Jungpflanzen manuell in die Töpfe setzt und andrückt. Je nach Erfahrung und Fingerfertigkeit am Fließband, kann so ein einziger Mensch mehrere hundert Pflanzen pro Stunde eintopfen. Auch hier gibt es jedoch bereits die vollständige Automatisierung, jedoch ist das „halb-automatische“ Topfen eine weit verbreitete Methode.

Eigentlich wollte ich das Thema Topfen gar nicht direkt anschneiden, sondern ursprünglich auf die Jungpflanzen zu sprechen kommen, die beim heutigen Topfen auf der Arbeit vom Band fielen und schlussendlich bei mir Asyl fanden. Die Motivation hierbei ist eindeutig und ich sehe die Kultivierung dieser kommerziellen und vor allem professionellen Jungpflanzen auf Hobbygärtnerniveau als eine Art Herausforderung an, die ich mir selbst auferlegte; inwiefern werden meine Exemplare später mit den Tausenden anderen im Gewächshaus mithalten können?

Mit von der Partie sind Cyclamen persicum (Alpenveilchen) und Capsicum anuum (Zierpaprika). Mit der Gattung Capsicum habe ich als Chilihead schon weitreichende Erfahrungen gemacht, was Anzucht und Kultur angeht. Diese reichen im Spektrum von äußerst positiv bis negativ – was im letzten Punkt auf die Keimfähigkeit einiger Sorten bezogen ist. Ich bin gespannt, wie sich die vorkultivierten Jungpflanzen schlagen werden, wenngleich dies keine Chilis sind. Gleiches gilt natürlich bei den Alpenveilchen, die man in diesem Format natürlich kaum zu Gesicht bekommt. Hierbei als Maßstab die unter professionellen Bedingungen kultivieren Exemplare zu sehen, ist eine nette Herausforderung – auch wenn ich mich mit der Alpenveilchenkultur quasi ins kalte Wasser stürze. Mein einziges Alpenveilchen wächst aus einer tellergroßen Knolle, die seit Jahren im Vorgarten liegt. Von Kultur kann hierbei nicht die Rede sein. Erwähnenswert sei jedoch, dass selbst die Jungpflanzen bereits eine winzige Knolle besitzen.

Und da ich nun den Prozess der Zierpflanzenproduktion doch ein wenig angeschnitten habe, fällt mir auf: das Thema sollte ich in einem späteren Artikel ausführlich und bebildert beschreiben. Zierpflanzen sind schließlich omnipräsent und in nahezu jedem Haushalt vertreten, doch Einblicke in die Produktion dieser stummen und allgegenwärtigen Gefährten gibt es nur wenige. Ich bin gespannt, was sich da machen lässt.

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2 Antworten zu “Pflanzen en miniature: kommerzielle Pflanzenproduktion via Jungpflanzen

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