Phalaenopsis – Gedanken einer Hassliebe

Seit dem man Orchideen – speziell Phalaenopsis – seit einigen Jahren in inflationären Mengen im Einzelhandel findet, steigerte sich zwischenzeitlich die Anzahl an Orchideen hier im Haushalt – davon ausschließlich Phalaenopsis – auf bis zu einem Dutzend. Zu jedem Anlass wurden und werden mittlerweile Phalaenopsis verschenkt. Verschiedene Arten, die sich teils nur in der Farbgebung unterscheiden, machen es da nicht unbedingt einfacher, einem wohlwollenden Laien zu erklären, dass es sich um ein und die selbe Gattung handelt und – höflich ausgedrückt – kein Bedarf mehr an dieser besteht. Man möchte – in Anbetracht der netten Geste – ja auch niemandem vor den Kopf stoßen.

Bei vielen Schenkenden hat eine Orchidee doch eben noch etwas „außergewöhnliches“ und man hofft wohl, dass eben diese Assoziation auch beim Beschenkten aufkommt. Doch den Ruf der exquisiten Rarität, den Orchideen teils noch vor 20 Jahren hatten, hat der akute Phalaenopsiswahn mittlerweile – zumindest aus meiner Sicht – vollends zerstört. Natürlich hat die Familie der Orchideen weitaus mehr zu bieten, als Phalaenopsis. Doch durch ihre Omnipräsenz im Alltag steht die Gattung Phalaenopsis mittlerweile als Inbegriff für Orchideen schlechthin. Man tippe nur das Stichwort „Orchideen“ in die Google Bildersuche ein und betrachte das Ergebnis: Phalaenopsis wohin das Auge reicht.

Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht irgendein Discounter unschlagbare Phalaenopsisangebote des Billigpreissegments feil zu bieten hat.  Auch wenn Phalaenopsis ansich sehr schöne und vor allem auch pflegeleichte Zeitgenossen sind, habe ich mich in den letzten Jahren an ihnen regelrecht satt gesehen und es gibt mittlerweile kaum mehr eine Zimmerpflanze, die bei mir persönlich unbeliebter ist, als die klassische, weiße Phalaenopsis, gefolgt von Trends, wie der blauen Phalaenopsis und ihren Abkömmlingen

Bei Phalaenopsis steht es bei mir in etwa wie mit einem All-You-Can-Eat-Buffet im Chinarestaurant auf der einen, und dem knurrenden Magen auf der anderen Seite: Anfangs kann man gar nicht genug bekommen und schlingt maßlos und voller Euphorie sämtliche Geschmäcker in sich hinein; Man steigert sich mit jedem Bissen und erreicht einen Zustand, in dem jegliches Sättigungsgefühl plötzlich nicht mehr zu existieren scheint – bis sich plötzlich irgendwann der Magen meldet und einem schlagartig bewusst wird, dass man während der nächsten Monate keinen Appetit mehr auf besagtes Essen haben wird.

Bevor nun gemutmaßt wird: Ja, in asiatischen Restaurants werde ich gern mal Maßlos ;). Und nein, Es ist nicht so, dass ich sonst nichts esse – im Gegenteil. Aber die asiatische Küche schaltet scheinbar einige Gehirnzonen bei mir temporär aus und so verfalle ich voller Euphorie in einen Fressrausch, der sich nur schwer rational erklären lässt und eigentlich immer damit endet, dass die Maßlosigkeit mich schlussendlich auf den Boden der Tatsachen zurückzieht und ich mit krampfendem Magen einen Schlussstrich ziehen muss.

Im Bezug auf Phalaenopis stehe ich somit nun knapp hinter den Magenkrämpfen. Mit dem Unterschied, dass meine Phalaenopsisabneigung nicht temporärer Natur zu sein scheint, wie es noch beim Essen der Fall sein mag.

Sorry, Phalaenopsis, es ist nicht Deine Schuld, aber mit uns wird es einfach nicht mehr funktionieren.

Oncidium und Cambria haben – rein subjektiv betrachtet – Phalaenopsis momentan den Rang abgelaufen. Schon allein der Habitus ist im Vergleich zu einer eher altbackenen Phalaenopsis erfrischend anders und grazil. Wobei die Vielfalt der Familie der Orchideen sich nicht auf genannte Gattungen reduzieren lässt. Ich bin zwar ein überzeugter Pflanzenliebhaber, aber bei Orchideen blieb ich bislang eher bei rudimentärem Kontakt ohne Tiefgang. Ich denke aber, dass ich mit meiner ersten Oncidium den richtigen Weg eingeschlagen habe; Dendrobium stünde ebenfalls auf der Anschaffungsliste. Vielleicht erwacht eines Tages doch noch der versteckte Orchideenliebhaber in mir?

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Eine Antwort zu “Phalaenopsis – Gedanken einer Hassliebe

  1. Oncidium& Dendrobium hat auf jeden Fall was für sich. Ich hab hier schon ein paar stehen, Oncidium sind meine liebsten Orchideen. Da gibts sehr interessante Wildformen genauso wie sehr krasse Hybriden, Auswahl ist also optimal…

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