Gattungsportrait: Primula

Primula vulgaris (Quelle: 3268zauber, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6103404)

Primula: Primula vulgaris

Die Gattung Primula

Die Gattung Primula gehört zur Familie der Primulaceae und umfasst knapp 500 Arten, welche in fünf Untergattungen und 40 Sektionen gegliedert sind. Die im Betrieb in Kultur befindlichen Arten Primula vulgaris, P. Elatior und P. Veris sind allesamt in der Untergattung Primula, entsprechend der Sektion Primula verortet.

Die ebenfalls recht häufig im Handel erhältliche Kugelprimel (Primula denticulata) befindet sich hingegen in der Untergattung Aleuritia, Sektion Denticulata und ist nicht direkt mit der ähnlich aussehenden Art Primula elatior verwandt.

Allen Primeln ist gemeinsam, dass sie meist als mehrjährige, sommergrüne, teils immergrüne, krautige Pflanzen gedeihen. Die Überwinterung erfolgt für gewöhnlich durch Rhizome, aus denen die Pflanzen erneut austreiben.

Die Laubblätter der Primel bilden grundständige Rosetten. Linealische, lanzettliche, rhombische, elliptische, keilförmige und spatelförmige Blattformen kommen vor. Auch die Form der Blattränder variiert stark nach Art.

die Blüte ist zwittrig und besitzt meist fünf grüne Kelchblätter und fünf Hochblätter. Dimorphe Heterostylie ist eine Besonderheit, die häufig vorkommt.

Die Frucht der Primel ist eine Kapselfrucht mit runder, eiförmiger oder länglicher Form. In jeder Kapsel sitzen 10-100 braune, eiförmige Samen.

Das Verbreitungsgebiet der Gattung Primula umfasst die gesamte Nordhalbkugel.

Die Geschichte der Gattung Primula

Die erstmalige Erwähnung eines Mitglieds der späteren Gattung Primula geschah vermutlich 50 n. Chr. Durch den griechischen Arzt und Pharmakologen Dioscorides. Hierbei handelte es sich um die Wildform von Primula auricula, welche im Jahre 1753 in Linnés „Specium Plantarum“ beschrieben wurde.

Als Kulturpflanze fand die Gattung Primula erstmals durch den britischen Botaniker John Gerard In seinem 1597 erschienenen Werk „Herbals“ Erwähnung. Das Hauptaugenmerk der Kultur der Gattung Primula lag damals in ihrer Verwendung als Heilpflanze, welcher husten- und schleimlösende Wirkungen nachgesagt wurden. Hierbei handelte es sich insbesondere um relativ unscheinbare, grünblühende Wildformen, sowie Primula farinosa.

Erstmalig das Hauptaugenmerk auf die Farbgebung der Blüten legend, dokumentierte der Botaniker John Rea die Primel im Jahre 1665. Hierbei handelte es sich vermutlich um Kreuzungen aus Primula vulgaris subsp. Sibthorpii und osteuropäischen Wildformen. Die Farben der damals dokumentierten Pflanzen erstreckten sich im rot-violetten Spektrum und reichten über Violett-, Pink, Lila bis zu Rottönen.

Mit der Einkreuzung von Primula vulgaris subsp. Heterochroma erweiterte sich die Farbpalette der Pflanzen abermals.

Im 19. und 20. Jahrhundert kamen unzählige Arten und Sorten hinzu.

Primula vulgaris

Allgemeines

Die in der Populärkultur als DIE Primel bekannte Primula Vulgaris (Gartenprimel, Stängellose Schlüsselblume, ehemals: Primula acaulis), wird typischerweise als einjährige Sainsonpflanze der Wintermonate und des zeitigen Frühjahrs gehandelt. Bereits zur Weihnachtszeit werden Primeln im Handel angeboten und bestimmen bis März/April das Sortiment des Pflanzenhandels. Sie gelten als typische Winterblüher und finden zu Sainsonbeginn Verwendung in Schalenbepflanzungen für den Innenraum.

Mittlerweile trifft man im Handel auch immer häufiger auf gefärbte, bzw. geglitzerte Exemplare, die besonders zum Saisonbeginn zur Weihnachtszeit zweifelhaften Ruhm genießen.

Aufgrund ihrer Kälteverträglichkeit können sie bereits recht früh auch für Outdoorbepflanzungen verwendet werden. Klassischerweise sind dies Beete und Rabatten in Gärten, wie auch Parks, Blumenkästen, Schalen o.Ä. Sie zählen somit zu den ersten Frühlingsboten und bedienen zu dieser sonst so tristen Zeit einen wichtigen Absatzmarkt der Branche.

Beschreibung

Die krautige Pflanze bildet eine horstige Rosette, aus der aufrechte Blütenstände entspringen. Seitentriebe (Kindel) bilden sich gern in den Blattachseln, gelten aber als Makel und werden vor dem Verkauf meist ausgebrochen, weshalb kindelnde Primeln selten bis gar nicht im Handel zu finden sind.

Das grundständige Laub ist sattgrün, spatelförmig und besitzt einen gezähnten Rand. Die Länge der Blätter kann bis zu 12cm betragen, bei kompakteren Exemplaren gern die Häfte.

Primula vulgaris ist eine unscheinbare Pflanze, die ohne ihre Blüten sicherlich kaum kommerzielle Beachtung finden würde. Die radiären, trichterförmigen Blüten entspringen aufrecht der Rosette. Der Durchmesser der Blüte liegt im Mittel bei 2-3cm.

Augenscheinlich scheinen die Pflanzen zweihäusig zu sein. Es sind deutliche Unterschiede zwischen den Blüten einzelner Exemplare zu erkennen. Die Vermutung, dass es sich hierbei um männliche und weibliche Pflanzen handeln könnte, ist jedoch ein Trugschluss. Trotz der unterschiedlichen Blütentypen handelt es sich bei Primula um zwittrige Pflanzen, deren Blüten männliche, wie auch weibliche Geschlechtsmerkmale besitzen. Die offensichtlichen Unterschiede in der Anatomie der Blüten bezeichnet man als dimorphe Heterostylie, dem Vorkommen unterschiedlicher Blütentypen innerhalb einer Pflanzenart.

Sinn und Zweck dieser anatomischen Besonderheit ist der Faktor der Selbstbestäubung, der bei zwittrigen Blüten zum Tragen kommt. Um diesem entgegenzusteuern setzt die Natur auf unterschiedliche morphologische, wie auch genetische Mechanismen. Die Heterostylie ist einer davon.

Konkret äußert sich die Heterostylie bei Primula vulgaris durch langgriffelige und kurzgriffelige Blütentypen. Beim langgriffeligen Typ sitzt die Narbe oberhalb der Staubblätter, wohingegen beim kurzgriffeligen Typ die Narbe unterhalb der Staubblätter sitzt.

Primula vulgaris bildet eine circa 1cm im Durchmesser messende, kugelförmige Kapselfrucht aus. Bei der Frucht handelt es sich um eine kugelförmige Kapselfrucht, die 10-100 Samen beherbergt.

Verbreitung

Das natürliche, ursprüngliche Verbreitungsbiet von Primula vulgaris erstreckt sich über den gesamten Europäischen Kontinent, einschließlich Teilen Nord-Afrikas. In der Nord-Süd-Ausdehnung findet man sie von Norwegen bis zum Mittelmeerraum, in der Ost-West-Ausdehnung ist sie von Frankreich bis zum Schwarzen Meer zu finden. Trotz der großen Ausdehnung ihres Verbreitungsgebietes findet man sie lokal nur in kleineren Gruppen. Größere Gruppen lassen oftmals auf verwilderte Anpflanzugen schließen. In Deutschland befinden sich die natürlichen Vorkommen von Primula vulgaris auf der Roten Liste der geschützten Arten und werden dort mit dem Status „gefährdet“ geführt. Im Bundesnaturschutzgesetz ist die Art als „besonders geschützt“ gekennzeichnet.

 

Der Text ist ein Auszug aus einem Kulturbericht, den ich im Zuge meiner Ausbildung zum Zierpflanzengärtner angefertigt habe.

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